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17.2.2009 | Von:
Richard Collins

Die BBC, das Internet und "Public Value"

Einfluss des Internets

Das Internet hat von jeher einen starken Einfluss auf die BBC gehabt, obgleich seine Wirkung eher indirekter Art ist. Der Haupteffekt des Internets liegt in der wirtschaftlichen Gefährdung werbefinanzierter Medien, und zwar sowohl der Printmedien als auch des Rundfunks. Die werbefinanzierten Medien durchleben derzeit eine tiefe Krise, da die Werbemittel zunehmend ins Netz abwandern und die Werbeausgaben angesichts der Wirtschaftskrise insgesamt sinken. Auf das Internet entfallen also größere Stücke eines kleineren Kuchens, so dass den Sendern weniger bleibt. Zudem ersetzt die Nutzung des Internets immer stärker das Fernsehen und Radiohören. Das Internet bildet also zum einen ein besseres Werbemedium als der herkömmliche Rundfunk - die Verlinkung von Werbung mit Suchvorgängen gewährleistet, dass sie wirkungsvoll auf potentielle Kunden abzielt -, zum anderen stellt es eine Vielzahl an Alternativen zur Verfügung.

Die Auswirkungen des Internets auf den konventionellen Rundfunk sind ein globales Phänomen - wenngleich es in Großbritannien ausgeprägter ist als andernorts. So berichtete die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom (Office of Communications), dass die im Internet verbrachte Zeit zwischen 2004 und 2008 zwar in mehreren Ländern stark angestiegen sei, aber nirgendwo so stark wie in Großbritannien (dort um 21 Prozent). Auch die Abwanderung der Werbung ins Internet verliefe dort schneller, und der Anteil der Werbung im Internet sei mit 19 Prozent der Gesamtwerbeausgaben ebenfalls höher als anderswo.[3]

Rein wirtschaftlich betrachtet hat diese durch das Internet beschleunigte Krise die Position der BBC im Vergleich zu seinen werbefinanzierten öffentlich-rechtlichen Konkurrenten[4] verbessert, schließlich sind ihre Einnahmen aus den Rundfunkgebühren unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage. Diese relative Positionsverbesserung hat jedoch die Bedenken der anderen Sender, die sich zum Teil in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten befinden, gegenüber der privilegierten Stellung der BBC verstärkt. ITN (der Nachrichtenzulieferer der beiden größten werbefinanzierten öffentlich-rechtlichen Kanäle, ITV und Channel 4) zum Beispiel beklagt, dass "die Expansionsstrategie der BBC, großzügig durch Rundfunkgebühren finanziert und ohne wirtschaftliche Beschränkungen agierend, eine Bedrohung der Pluralität"[5] darstellt. Derartige Kritik ist bezeichnend, hat die BBC doch einen großen Teil ihrer früheren Legitimität eingebüßt, nachdem sie wegen unethischen Verhaltens mehrfach Bußgelder zahlen musste[6] und verschiedene Untersuchungen ihr Unzulänglichkeiten in der Berichterstattung und redaktionellen Praxis bescheinigten.[7]

Das Internet ist somit sowohl das Mittel für die BBC, den Umfang und die Erreichbarkeit seines Angebots erfolgreich zu vergrößern, als auch der Auslöser für eine verstärkte und äußerst kritische öffentliche Kontrolle, die das Ausmaß, die Reichweite und die Art der Tätigkeiten und des Verhaltens der BBC selbst in Frage gestellt hat. Eine der (rhetorischen) Hauptstrategien, welche die BBC im Umgang mit ihrem zumehmend feindlich eingestellten Umfeld anwendet, ist die Betonung des Gemeinwohls - des "Public Value".

Fußnoten

3.
Neben Großbritannien wurden Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und die USA untersucht. Vgl. Ofcom, International Market Report 2008, in: www.ofcom.org.uk/research/cm/icmr08/ (2. 1. 2009).
4.
Anm. d. Red.: In Großbritannien gibt es neben der öffentlich-rechtlichen BBC weitere Sender mit öffentlich-rechtlichem Programmauftrag, die sich jedoch ausschließlich über Werbung finanzieren. Rundfunkgebühren erhält allein die BBC.
5.
Independent Television News (ITN), Evidence to Ofcom's Second PSB Review Phase 2: Preparing for the digital future, 2008, S. 2, in: www.ofcom.org. uk/
consult/condocs/psb2_phase2/
responses/ITN.pdf (2. 2. 2009).
6.
Zuletzt im Dezember 2008 in Höhe von 95 000 Pfund wegen der unlauteren Durchführung von Gewinnspielen. Bereits im Juli 2008 hatte die Ofcom gegen die BBC wegen acht verschiedener Verstöße gegen den Programmkodex ein Bußgeld von 400 000 Pfund verhängt. Vgl. z.B. Ofcom, Ofcom fines the BBC for unfair conduct of viewer and listener competitions, 30. 7. 2008, in: www.ofcom.org.uk/media/news/2008/07/
nr_20080730 (12. 12. 2008).
7.
Vgl. z.B. Anthony King, The BBC Trust Impartiality Report, London 2008, in: www.bbc.co.uk/bbctrust/assets/files/
pdf/review_report_research/impartiality/
uk_nations_impartiality.pdf (12. 12. 2008).