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27.1.2009 | Von:
Hans Rudolf Herren

Die Ernährungskrise - Ursachen und Empfehlungen

Gentechnik löst das Problem nicht

Um die Diskussion über Nutzen und Gefahren der Gentechnik in der Nahrungsproduktion zu versachlichen, wurden bei der Erarbeitung des IAASTD-Berichts Tausende von Studien wissenschaftlich ausgewertet. Das Fazit: Für die Hungernden hat die Gentechnologie derzeit nichts zu bieten. Die Verbesserung der Ernährungslage war nicht das Ziel der Züchtung der heute erhältlichen gentechnisch veränderten Sorten, auch wenn sporadisch und stark abhängig von Standort, Wetter und Pflanzenart Ertragsteigerungen beobachtet werden konnten. Die Technologie selbst oder der Kontext ihrer Anwendung haben Ertragsteigerungen in den bis jetzt produzierten Sorten begrenzt.[16] Es wurde zum einen vor allem auf Herbizidresistenz gezüchtet, so dass die Bauern mehr Unkrautbekämpfungsmittel sprühen können, ohne die Nutzpflanzen zu schädigen; zum anderen lag der Schwerpunkt auf der Insektenresistenz, d.h. dem Einbau von Genen in Pflanzen, welche die Produktion eines Giftes veranlassen, an dem Insekten sterben, wenn sie von der Pflanze fressen. Andere, billigere und echt "grüne" Methoden hat man allerdings schon zur Hand, wie z.B. die biologische Schädlingsbekämpfung oder eine Gestaltung der Agro-Ökosysteme, welche die natürlichen Kräfte zum Einsatz kommen lassen.

Eine "grüne" Gentechnik gibt es nicht, weil die gentechnischen Lösungen nur die Symptome behandeln, nicht aber - im Gegensatz zu den echt grünen Lösungen - die Ursachen angehen. Zudem ist das nur einmal einsetzbare genmanipulierte Saatgut für Kleinbauern viel zu teuer. Auch mittelfristig kann die Gentechnologie - wenn überhaupt - höchstens einen kleinen Teil dazu beitragen, die Ernährungssituation der Menschheit zu verbessern. Hingegen verfestigt sie tendenziell Anbausysteme, die nicht nachhaltig sind, weil sie stark auf externe Energiequellen abstellt wie Kunstdünger, Pestizide und Herbizide.

Fußnoten

16.
Vgl. Jack A. Heinemann, Hope not Hype, Penang 2009 (i.E.).