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27.1.2009 | Von:
Hans Rudolf Herren

Die Ernährungskrise - Ursachen und Empfehlungen

Genug Nahrung auch für neun Milliarden Menschen

Dennoch ist eine Ernährung von neun Milliarden Menschen bis Mitte dieses Jahrhunderts möglich. Doch dazu müssen die Weichen in der Agrarpolitik heute neu gestellt werden. Die Rezepte der Vergangenheit taugen nicht mehr. Eine Landwirtschaft, die mit forciertem Einsatz von Dünger, Wasser und Pestiziden das kurzfristige Maximum aus den Böden herausholt, dabei die ökologischen Folgen und die sozialen Aspekte ignoriert, zerstört ihre Grundlagen. Gefordert ist ein fundamentaler Kurswechsel hin zu einer ökologischen, multifunktionalen Landwirtschaft, die nicht den maximalen, sondern den nachhaltig möglichen Ertrag anstrebt, Böden und Gewässer schont, die Biodiversität erhält und fördert, und deren Produkte auch für die Ärmsten zugänglich sind.

In seinem im April 2008 publizierten IAASTD-Bericht (International Assessment of Agricultural Science & Technology for Development) schlägt der Weltlandwirtschaftsrat (s. Kasten) klare Konzepte und Maßnahmen vor, mit denen die Landwirtschaft so umgestaltet werden kann, dass sie den zukünftigen Herausforderungen - wachsende Weltbevölkerung, erhöhte Nachfrage, Klimawandel - gewachsen ist.[14] Weltlandwirtschaftsrat (IAASTD):Im April 2008 veröffentlichte der Weltlandwirtschaftsrat seinen Welternährungsbericht. Mehr als 400 Experten und Regierungsvertreter aus 60 Ländern hatten seit der Gründung des Rates 2002 auf dem Entwicklungsgipfel in Johannesburg an diesem Bericht mitgearbeitet. 58 Nationen haben ihn unterzeichnet. Einige Agrochemiekonzerne, die ebenfalls an der Ausarbeitung des Berichts mitgewirkt hatten, distanzierten sich vor seiner Veröffentlichung wegen der darin enthaltenen kritischen Beurteilung der Gentechnik. Derzeit laufen Bestrebungen, den Weltlandwirtschaftsrat als permanente Organisation - analog zum Weltklimarat IPCC - zu etablieren.

Fußnoten

14.
Vgl. IAASTD - Global Summary (Anm. 10).