30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

27.1.2009 | Von:
Hans Rudolf Herren

Die Ernährungskrise - Ursachen und Empfehlungen

Ökologischer Landbau

Ökologischer Landbau ist kein Luxus für die Reichen, sondern eine Notwendigkeit, um die Nahrungsmittelproduktion auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen und langfristig zu sichern. Er stützt sich vor allem auf die Bodenfruchtbarkeit und ist bestrebt, diese auf lange Sicht zu erhalten. Auch mit nachhaltigen Methoden lässt sich die Produktion in manchen Gebieten massiv steigern, zum Beispiel in Lateinamerika oder in Teilen Afrikas. In Zentralasien, im Mittleren Osten und in Nordafrika ist dies viel schwieriger, da es hier oft an Wasser mangelt, die Böden meist degradiert sind oder - in Asien - die Spitzenerträge zum Teil schon erreicht werden. In diesen Fällen wird es nötig sein, die Vielfalt der angebauten Pflanzen zu verbessern, Sorten mit erhöhtem Nährwert anzubauen und solche, die den lokalen Verhältnissen besser angepasst sind.

Indem sie ihr eigenes Saatgut verwenden, erhalten und fördern die Kleinbauern die Arten- und Sortenvielfalt. Eine weitere Vereinfachung der Anbausysteme und die Verdrängung der lokalen Sorten durch wenige Hochertragspflanzen ist nicht nur im Hinblick auf die Pflanzengesundheit bedrohlich, sondern auch deshalb, weil sich das Risiko von Totalverlusten unter sich ändernden Klimaverhältnissen stark erhöht. Es hat sich schon oft gezeigt, dass lokale Sorten bei guten Anbaumethoden ähnliche Erträge liefern können wie die hochgezüchteten.

Schädlingen und Unkrautproblemen muss möglichst vorbeugend begegnet werden. Das Potenzial des biologischen Pflanzenschutzes ist groß. Um es auszuschöpfen, braucht es aber noch beträchtliche Investitionen in Forschung, Ausbildung und Umsetzung. Forschungsbedarf besteht auch in Bezug auf den Vorratsschutz - und die Ergebnisse müssen auch umgesetzt werden. Ungefähr 40 % der Nahrungsmittel werden heute durch Schädlinge ungenießbar. Pestizide sollten erst zum Einsatz kommen, wenn es nicht anders geht. Ist Letzteres der Fall, sollten den Bauern nicht-toxische Produkte zur Verfügung stehen. Es gibt noch viel zu tun, damit Agrochemikalien für den Anwender, aber auch für den Konsumenten keine Gefahr mehr darstellen. Die Regeln und Vorschriften für den Umgang mit Pestiziden müssen umgesetzt, ihre Einhaltung kontrolliert werden.

Um die Ernährung der Menschheit von morgen zu sichern, braucht es auch die ausgelaugten Böden. Sie müssen sich regenerieren, damit auch dort wieder nachhaltig produziert werden kann. Und diese Regeneration muss mit Methoden erfolgen, die wenig Energie benötigen und erschwinglich sind für die Bauern in den Entwicklungsländern.