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27.1.2009 | Von:
Marita Wiggerthale

Macht Handel Hunger?

Der Weg in die Krise III: Agrartreibstoffe

Innerhalb von 14 Monaten - von Januar 2007 bis April 2008 - ist der Preis für Mais in Uganda um 65 % gestiegen, im Senegal schnellte der Weizenpreis um 100 % in die Höhe. Eine Studie der Weltbank kommt zu dem Schluss, dass die Explosion der Nahrungsmittelpreise zu 65 % auf das Konto der Agrartreibstoffe geht. Das International Food Policy & Research Institute (IFPRI) und der IWF schätzen den Anteil auf 30 %.[25] Berechnungen haben ergeben, dass die weltweite Nachfrage nach Getreide (ohne Reis) unterhalb der Produktion liegen würde, wenn nicht die gestiegene Nachfrage nach Agrartreibstoffen hinzugekommen wäre.[26] Der Agrartreibstoffboom hat aber nicht nur die Nahrungsmittelpreise explodieren lassen, er erhöht auch weltweit den Druck auf die Flächen und führt zu einer Intensivierung der Landbewirtschaftung.

In Indonesien sollen bis 2020 20 Millionen Hektar (ha) - eine Fläche fast sechs Mal so groß wie die Niederlande - für den Ausbau der Palmölproduktion eingesetzt werden. Millionen von Menschen sind dadurch gefährdet: Allein in der Provinz West Kalimantan würden nach Angaben der UN fünf Millionen Indigene ihr Land wegen der Agrartreibstoffproduktion verlieren.[27]

In Brasilien wird Soja für die Gewinnung von Biodiesel und als Futtermittel (EU) eingesetzt. Der derzeitige Sojabedarf der deutschen Tierproduktion beträgt umgerechnet rund 2,8 Mio. ha Anbaufläche.[28] Der Sojaanbau wurde in den vergangenen 17 Jahren erheblich zu Lasten der einheimischen Grundnahrungsmittelproduktion ausgebaut. Die Regenwaldrodung im Amazonas-Gebiet hat seit der zweiten Hälfte 2007, insbesondere in den Sojaanbauregionen, wieder zugenommen. Kleinbäuerliche Familien werden verdrängt. Mindestens vier der 16 Landkonflikte in Mato Grosso und 18 der 38 Landkonflikte in Paraná gehen im Jahr 2007 auf das Konto der Soja anbauenden Großgrundbesitzer. Trotz der starken Mechanisierung in der Sojaproduktion ist nach wie vor Sklavenarbeit in Sojabetrieben anzutreffen.[29]

Fußnoten

25.
Vgl. Oxfam International, Another Inconvenient Truth. How biofuel policies are deepening poverty and acclerating climate change, Juni 2008, in: http://www.oxfam.org/files/bp114-inconvenient-truth-bio fuels-0806.pdf, S. 20 (8.12. 2008).
26.
Vgl. Bickert (Anm. 8).
27.
Vgl. Oxfam International (Anm. 25, S. 24).
28.
BUND, Für Fleisch nicht die Bohne! Futter und Agrokraftstoff-Flächenkonkurrenz im Doppelpack, Berlin 2008, in: http://www.bund.net/fileadmin/ bundnet/publikationen/landwirtschaft/
20081104_land wirtschaft _ soja _ fleisch _agrosprit _ studie. pdf, S. 35 (8.12. 2008).
29.
FIAN, Agrofuels in Brazil, Heidelberg 2008, in: http://www.fian.org/resources/documents/
others/ agrofuels-in-brazil/pdf, S. 30, 37 f. (10.12. 2008).