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23.1.2009 | Von:
Heinz Reinders

Integrationsbereitschaft jugendlicher Migranten - Vexierbilder und empirische Befunde

Integration bedeutet nicht die Abwendung von der Herkunftskultur, sondern es geht darum, eine Balance zwischen den Kulturen herzustellen. Bei der jüngeren Generation besteht eine erhebliche Integrationsbereitschaft, die es zu fördern gilt.

Einleitung

Es ist eine dieser wiederkehrenden Debatten: Wie lassen sich Migrantinnen und Migranten in die deutsche Gesellschaft integrieren, wie lassen sich ihre Sprachkompetenzen verbessern und ihr Integrationswille stärken? Seit Deutschland im politisch-öffentlichen Diskurs als Einwanderungsland anerkannt ist, wird nicht mehr über das Ob oder Ob-nicht der Integration debattiert, sondern intensiv darüber beraten, wie diese am besten realisiert werden kann.[1]




Nach wie vor prägend ist dabei das Vexierbild einer nicht oder nur unzureichend integrationswilligen Sukultur, deren Mitglieder vorwiegend ihre Herkunftssprache verwenden, sich in den Stadtteil-Kiez zurückziehen und Infrastrukturen aufbauen und pflegen wollen, die der Segregation förderlich sind.

Es handelt sich deshalb um ein Vexierbild, weil erstens der Begriff Integration häufig im Sinne von Assimilation verwendet wird (erstes Kapitel). Zweitens handelt es sich bei der Vorstellung von "den" Migranten um eine übergeneralisierte Vorstellung: Sie entsteht dadurch, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Migrationsgruppen ausgeblendet und empirische Studien, die ein sehr viel differenziertes Bild zeichnen, nicht wahrgenommen werden.

Im Beitrag werden Anmerkungen zu diesen zwei Aspekten gemacht, und es werden Ergebnisse einer Befragung Jugendlicher türkischer und italienischer Herkunft berichtet, die Aussagen über die Integrationsbereitschaft dieser Migrantengruppe ermöglichen. Abschließend werden Schlussfolgerungen für den Fortgang des Integrationsprozesses gezogen und kritisch diskutiert.

Fußnoten

1.
Vgl. Klaus J. Bade, Integration: Versäumte Chancen und nachholende Politik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), (2007) 22 - 23, S. 32 - 38.