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8.12.2010 | Von:
Gitti Hentschel

Friedens- und Sicherheitspolitik braucht Geschlechteranalysen - Essay

Entscheidungen mit dramatischen Auswirkungen

Politische Entscheidungsträger, aber auch Friedens- und Konfliktforscher schieben oft fehlende Qualifikation oder Verfügbarkeit von Frauen als Erklärung für deren Ausschluss vor. Dies ist irrational, zumal seit Jahrzehnten viele Frauen qualifiziert in dem Themenfeld arbeiten. Dabei haben Entscheidungen vor diesem Hintergrund dramatische Auswirkungen, wie das Beispiel Kosovo zeigt. Bei den Verhandlungen und dem Abkommen zum Status des Kosovo (1999 und 2007) versuchte das Kosova Women's Network vergeblich, seine ethnienübergreifenden Ansätze der Konfliktbeilegung einzubringen. Auch die im Jahr 2000 auf Betreiben des VN-Sondergesandten Bernhard Kouchner gebildete Übergangsregierung blieb trotz Bemühungen von Hilfsorganisationen vor Ort eine reine "Männertruppe", bis sich eine OSZE-Mitarbeiterin an den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan wandte. Daraufhin wurde zwar eine Frau in den Übergangsregierungsrat aufgenommen - doch die OSZE-Mitarbeiterin wurde entlassen. Ihr Einsatz für Frauenrechte erschien wohl zu übereifrig.

Ein weiteres Beispiel sind die Camp David Verhandlungen im Jahr 2000 zur Regelung des Nahost-Konflikts, wo israelische und palästinensische Friedensaktivistinnen wie die Coalition of Women for Peace, die bereits lange vor offiziellen Verhandlungsinitiativen miteinander Bedingungen zur Aussöhnung entwickelt hatten, trotz aller Bemühungen und internationaler Unterstützung außen vor blieben. "Wenn wir Frauen auf Camp David gehabt hätten, hätten wir ein Abkommen erreicht", kommentierte der damalige US-Präsident Bill Clinton das Scheitern der Verhandlungen - eine zu späte Einsicht, mit weitreichenden Auswirkungen, wie die Eskalation der Gewalt zwischen beiden Konfliktparteien zeigt.