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22.11.2010 | Von:
Karl Brenke

Aus der Krise zum zweiten Wirtschaftswunder?

Rascher Wechsel von der Krise zum Wachstum

In Deutschland endete der Abschwung Mitte des vergangenen Jahres, und ab Ende 2009 zog die Wirtschaftsleistung mit zunehmender Geschwindigkeit an. Das Produktionsniveau aus der Zeit vor der Krise ist aber noch nicht erreicht - im zweiten Quartal 2010 lag es noch um reichlich zwei Prozent darunter. Die entscheidenden Impulse für den Aufschwung kamen vom Export, sie sind also nicht den deutschen Konjunkturprogrammen zuzurechnen. Wohl aber könnten die weltweiten Maßnahmen zur Konjunkturstabilisierung der deutschen Wirtschaft geholfen haben - wie andererseits die von Deutschland ergriffenen Maßnahmen andere Länder unterstützt haben könnten. Vor allem haben die deutschen Exporteure davon profitiert, dass die Schwellenländer, darunter insbesondere China, vergleichsweise wenig von der Krise betroffen waren. Hier wurde lediglich das Wachstumstempo gemindert, nicht aber die Produktion zurückgefahren. Zudem kamen auch hier Konjunkturprogramme zum Einsatz. China ist inzwischen das siebtwichtigste Land für deutsche Ausfuhren. Und weil sich die deutschen Unternehmen auf dem Markt dort recht gut etablieren konnten, wurden Nachfrageausfälle aus anderen Staaten aufgefangen. Die Globalisierung und der wirtschaftliche Aufholprozess in den Schwellenländern hat das Ausmaß früherer wirtschaftlicher Abhängigkeiten verringert - insbesondere ist es nicht mehr so, dass bei einem Schnupfen der USA alle übrigen Industriestaaten gleich eine Grippe bekommen.

Da sich auf den Wachstumsmärkten die Absatzperspektiven verbessert haben, sind die Unternehmen hierzulande nun auch wieder bereit, vermehrt zu investieren, so dass auch die Inlandsnachfrage die Auftragsbücher der Hersteller von Maschinen und Anlagen füllt. Zugenommen hat ebenfalls die Investitionstätigkeit des Staates, wobei sich zeigt, dass die investiven Konjunkturprogramme erst dann ihre Wirkung entfalten, wenn der Aufschwung bereits im vollen Gange ist. Das war zu erwarten, denn im Wesentlichen ging es um Bauinvestitionen, und diese brauchen einen längeren Vorlauf für die Planung und Umsetzung. Recht gut entwickeln sich auch die staatlichen Konsumausgaben. Schwach ist dagegen der Konsum der privaten Haushalte. In der Krise ist er zwar nicht gesunken und erwies sich somit als ein stabilisierendes Element - zumal von ihm mehr als die Hälfte der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in der Bundesrepublik abhängt -, aber danach entwickelte er sich ebenfalls mehr schlecht als recht. Das liegt vor allem an der schwachen Entwicklung bei den Löhnen. Der private Verbrauch kommt allerdings schon seit Anfang der 2000er Jahre in Deutschland kaum voran.

Im Vergleich zu anderen Ländern, die langsamer aus der Krise herausgekommen sind oder noch immer in ihr stecken, war der Abschwung in Deutschland weitgehend auf den Exportsektor beschränkt. Es gab keine Verwerfungen bei der Inlandsnachfrage etwa durch massive Einbrüche bei der Bauproduktion sowie durch eine Reduzierung der privaten Konsumausgaben. Die Nachfrage in diesen Segmenten war nicht aufgebläht, sondern entwickelte sich schon seit Jahren nur schwach. Es ist deshalb insofern überhaupt kein Wunder, dass die deutsche Wirtschaft rasch aus der Krise kam, als die Exportnachfrage wieder anzog.


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