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13.9.2010 | Von:
Uwe Britten

Kindheit in der "Dritten Welt"

Klimawandelfolgen

Am Ende der neunten Konferenz der Vereinten Nationen gegen Wüstenbildung im Oktober 2009 waren die Mitgliedsländer bereit, 16,3 Millionen US-Dollar jährlich zur Vermeidung der Wüstenausbreitung zur Verfügung zu stellen - also gerade mal etwas mehr als das Gehalt eines deutschen Top-Managers. Weltweit gelten schon jetzt vierzig Prozent der Landoberfläche als Trockenzonen, ein Anstieg um bis zu elf Prozent wird in den kommenden Jahrzehnten erwartet.

Nicht nur in Afrika, aber dort ganz besonders sind die Auswirkungen des Klimawandels für Millionen von Menschen längst existenziell geworden. Der Niger fließt heute noch mit einem Drittel seiner ursprünglichen Breite durch Mali. Jugendliche, die sich in einer familiären Fischertradition von vielen Generationen sehen, werden mit der Fischerei keine Familie mehr ernähren können. Sie werden ihre Identität umbauen müssen. Sie werden diejenigen sein, welche die Tradition beenden und mittels des internationalen Förderprogramms zu Bauern mit einer Orangenplantage für den Export werden - wenn alles klappt.

Gravierender sieht es in jenen Gegenden aus, die jetzt schon vor der völligen Verwüstung stehen. Die Wege von Mensch und Tier zu Wasserstellen werden immer länger. Haleb nennen die algerischen Nomaden den plötzlichen Hitzetod ihrer Ziegen, die irgendwann einfach tot umfallen. Kenianische Nomaden, die in ihren angestammten Regionen gar kein Wasser und keine Vegetation mehr finden, dringen mit ihren Herden in Nationalparks ein - von wo sie wiederum mit Waffen vertrieben werden. In diesen Regionen leben Kinder, denen früher oder später klar wird, dass ihre Lebensweise vor dem Ende steht. Dabei ist es nicht damit getan, Wüstenschulen einzurichten. Sie werden sich öffnen müssen für völlig neue Lebensformen. Sesshaftigkeit und Umsiedlungen in fremde Regionen werden die Folge sein.

Ein ganz anderes und in der Folge doch dasselbe Problem hat der kleine Inselstaat Tuvalu (11.000 Einwohner) im Pazifischen Ozean. Er versinkt allmählich im Wasser und wird in absehbarer Zukunft als erster Staat von der Weltkarte verschwunden sein. Die Kinder dort wissen, dass sie den späteren Teil ihres Lebens vermutlich nicht in ihrem Land verbringen werden. Auch sie stehen vor der Aufgabe, völlig neue Identitäten in fremden Umgebungen aufbauen zu müssen.[2]

Fußnoten

2.
Eine Konferenz pazifischer Inselstaaten ging 2009 davon aus, dass bis 2050 rund acht Millionen Menschen ihre Inseln verlassen müssen.

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