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13.9.2010 | Von:
Uwe Britten

Kindheit in der "Dritten Welt"

Fluchtbewegungen

Wer in den (auch ökologisch) armen Regionen unserer Welt lebt, für den ist Flucht immer eine Option - sie muss es sein. Flüchtlingsströme sind seit Jahrzehnten faktisch ein struktureller Bestandteil der Bevölkerungsentwicklung. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) spricht für das Jahr 2009 von weltweit knapp 43 Millionen Menschen, die auf der Flucht seien. Das Kinderhilfswerk UNICEF erklärt parallel, dass nach wie vor mindestens die Hälfte der Flüchtlinge Kinder und Jugendliche seien. Regional ist der Anteil der Kinder vielfach sogar noch höher, dort nämlich, wo ganze Ethnien mit deutlich mehr als zwei Kindern pro Familie auf der Flucht sind (etwa im Kongo, in Pakistan, Sri Lanka und dem Sudan, aber auch in Kolumbien). Diese Flüchtlingszahlen sind die höchsten seit Mitte der 1990er Jahre, als erstmals auch die sogenannten Binnenflüchtlinge[3] von den Vereinten Nationen als Flüchtlinge anerkannt und zahlenmäßig geschätzt wurden.

Für viele dieser Kinder und Jugendlichen bedeutet die Flucht ein Leben in Lagern oder in Behelfsbehausungen in fremden Gegenden. Manche verbringen ihre ganze Kindheit in einer solchen Situation. Verbunden ist dieses Leben mit einer weitgehenden Entrechtung. Die Kinder und ihre Eltern werden meistens auch nach längerem Aufenthalt nicht vom Gastland als Staatsbürger anerkannt. Neugeborene werden dadurch zu Staatenlosen. Die Kinder können keine Schulen außerhalb der Lagerschulen (so es sie gibt) besuchen oder offiziell Ausbildungen aufnehmen. Teilweise verfestigen sich solche Lagerstrukturen zu ganz "normalen" Orten, und die Menschen leben wie Parias am Rande der jeweiligen Gesellschaften. Eine lobenswerte Ausnahme machte zuletzt Tansania, das mehr als 160.000 Burunder (meistens Hutus) einbürgerte. Völlig schutzlos wandern etwa im Süden des Sudan ganze Dörfer durchs Land. Sie sind fortwährend bedroht von milizenartigen Gruppen oder Kriminellen, die oft in einer Nacht diese Gruppen auslöschen, das bisschen Hab und Gut an sich nehmen und am Morgen wieder verschwunden sind.

Fußnoten

3.
Vgl. Andreas Rister, Vertreibung von Kindern verhindern! Für ein Menschenrecht auf Schutz vor Vertreibung, Osnabrück 2006.

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