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13.9.2010 | Von:
Uwe Britten

Kindheit in der "Dritten Welt"

Verwicklung von Kindern in Kriegen

Als 1989 nach einem zehn Jahre währenden Prozess die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen auf der Vollversammlung angenommen wurde, bestand eine der größten Hoffnungen darin, zukünftig die Verwicklung von Kindern und Jugendlichen in Kriegshandlungen eindämmen zu können. Doch auch im abgelaufenen Jahrzehnt sind Kinder als Opfer von Kriegshandlungen und als aktive Kämpfer immer wieder zum Thema worden. Eine große Konferenz mit fast sechzig Staaten verabschiedete im Februar 2007 ein Schlussdokument, in dem der Einsatz von Kindersoldaten entschieden abgelehnt wurde. Auch Staaten wie der Sudan, der Tschad, Somalia, die DR Kongo, Nepal und Sri Lanka nahmen damals teil. Trotz aller Deklarationen wird geschätzt, dass es weltweit bis zu 300.000 Kindersoldaten gibt - 1989 wurde noch eine Anzahl von 200.000 angenommen.

Kinder werden zudem passive Opfer von Kriegshandlungen, wenn sie auf Minen treten und - beim Überleben - fortan mit Beinprothesen das ohnehin mühsame Leben bewältigen müssen. Mehr als zynisch ist es, dass gelegentlich immer noch sogenannte Spielzeugbomben auftauchen. Sie sehen harmlos aus, und ihr Zünder wird erst durch das Aufschlagen am Boden aktiviert. Ahnungslose Kinder sehen dieses vermeintliche Spielzeug und nehmen es in die Hände, wobei sie durch die eintretende Detonation schwer verletzt werden.

Wie sehr Kinder in nationalen wie internationalen Kriegen instrumentalisiert werden, wurde Mitte Juni 2009 sehr deutlich, als zwei Meldungen weltweit parallel durch die Medien gingen: Im Irak wurden ein sunnitischer Politiker und sein Leibwächter von einem 15-Jährigen erschossen; gleichzeitig wurde ein Gefangener aus Guantánamo in den Tschad abgeschoben, der als 14-Jähriger in Pakistan von US-Militärs gefangengenommen und acht Jahre (!) inhaftiert worden war.[4]

Die traurigste Region der Welt ist in dieser Hinsicht aber Zentralafrika, wo sich zwischen den Ländern Uganda, Sudan, der DR Kongo und der Zentralafrikanischen Republik wahre Horrorszenarien abspielen. Die Grenzregionen dieser Länder werden von der ugandischen Lord's Resistance Army (LRA) tyrannisiert, die Kinder ganzer Dörfer systematisch zwangsrekrutiert. Die Orte, die sie unter Kontrolle haben, sind vor gar nichts sicher. So zeigt zum Beispiel die Filmdokumentation "Lost Children"[5] einen Jugendlichen, dem in einem Willkürakt auf offener Straße Ohren, Nase, Lippen und Fingerkuppen nach und nach abgeschnitten worden waren.[6]

In vielen (ehemaligen) Kriegsländern versuchen die Vereinten Nationen mit Demobilisierungsprogrammen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Zuletzt wurden in Nepal 500 Minderjährige - ein Drittel waren Mädchen - in ein solches Programm überführt. Sie sollen, unter anderem durch die Erschließung von Arbeitsmöglichkeiten, wieder behutsam in eine zivile soziale Umgebung eingebunden werden.

Fußnoten

4.
UNICEF schätzt, dass weltweit eine Million Minderjährige in Gefängnissen sitzen; in Guantánamo waren es zwölf.
5.
Regie: Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz, 2005.
6.
Vgl. auch China Keitetsi, Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr. Mein Leben als Kindersoldatin, Berlin 2002; Ishmael Beah, Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat, Frankfurt/M. 2007.

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