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13.9.2010 | Von:
Uwe Britten

Kindheit in der "Dritten Welt"

Kinderarbeit

Nach wie vor ein riesiges Problem in den Dritteweltländern ist die Kinderarbeit. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt die Anzahl der weltweit arbeitenden Kinder auf 215 Millionen, darin sind 115 Millionen enthalten, die unter ausbeuterischen oder sogar gefährlichen Bedingungen arbeiten. Anders ausgedrückt: Jedes siebte Kind auf der Welt arbeitet. Es lassen sich allerdings auch internationale Erfolge verzeichnen. Nach ILO-Angaben konnte die Zahl jener unter 14-Jährigen deutlich gesenkt werden, die unter gefährlichen Bedingungen arbeiten. Sie sind durch neue nationale Gesetze weltweit möglicherweise um ein Drittel reduziert worden.

Kinder werden oft dort als Arbeiter genutzt, wo sie besondere "Fähigkeiten" mitbringen. In Teppichknüpfereien oder Feuerwerksfabriken gelten sie wegen ihrer kleinen Finger als motorisch im Vorteil. Wegen ihrer geringeren Körpergröße werden sie in Untertagestollen von Minen eingesetzt oder auch bei der Ernte in Plantagen, wo sich Erwachsene vielleicht stundenlang bücken müssten. Solche Scheinrationalisierungen werden inzwischen aber zunehmend entlarvt, denn vorrangig geht es darum, die von Erwachsenen abhängigen, ihrem Arbeitgeber oft völlig ausgelieferten Kinder wirtschaftlich auszubeuten. Zudem blockiert die schlecht bezahlte Kinderarbeit häufig die Ausweitung von (über Tarifverträge oder Mindestlohngrenzen geregelten) Erwachsenenarbeitsplätzen. Groß ist auch der Dunkelbereich. Vor allem Mädchen als Haushaltshilfen sind meist vollkommen schutzlos. Und gerade in ländlichen Gebieten ist die Ausbeutung von Kindern kaum zu kontrollieren. Der Umstand, dass Prostitution gesellschaftlich ohnehin meist im Verborgenen gehalten wird, begünstigt die zuweilen sklavenartige Zwangsprostitution von Kindern beider Geschlechter insbesondere in Touristenregionen.

Das elterliche Verhalten mit seiner scheinbaren Ignoranz stößt dabei im westlichen Kulturkreis häufig auf Unverständnis. Es muss aber betont werden, dass das Weggeben von Kindern gegen eine Bezahlung ("verkaufte Kinder") fast ausschließlich ein Phänomen der Armut ist. Wer die eigenen Kinder nicht mehr ernähren kann, kommt irgendwann auf die Idee, die Familie zu verkleinern. Dass Angebote von entsprechenden Arbeitsvermittlern oft mit unwahren (Erfolgs-)Geschichten die Eltern überzeugen, tatsächlich aber nichts anderes als Menschenhandel dahinter steht, ist ebenso wahr.

Der Handel mit Kindern hat viele Gesichter. Vorrangig allerdings steht dahinter die Arbeitsausbeutung. Das kann schon Kinder im Grundschulalter betreffen. Schon früh werden sie an besser gestellte Familien abgegeben, wo es ihre Aufgabe ist, sich im Haushalt "nützlich" zu machen. Besonders trifft es dabei Kinder und Jugendliche gesellschaftlicher und diskriminierter Minderheiten. Ein reger Menschenhandel findet am Horn von Afrika statt, wo die reicheren arabischen Staaten an die armen Länder des "schwarzen" Afrikas grenzen. Die Vereinten Nationen gingen 2007 davon aus, dass es weltweit 27 Millionen Sklaven gibt, mit einem sehr hohen Anteil junger Menschen. In Afrika wird die Anzahl der über Landesgrenzen verschleppten und versklavten Kinder auf über 200.000 geschätzt.[7] Bildungs- und völlig mittellos ist es für Sklaven oft kaum möglich, in ein anderes, selbstbestimmtes Leben zu finden.

Fußnoten

7.
Vgl. etwa Francis Bok/Edward Tivnan, Flucht aus der Sklaverei. Francis, sieben Jahre alt, Sklave, Bergisch Gladbach 2004.

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