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30.8.2010 | Von:
Walter Haubrich

"Besser als gestern, schlechter als morgen" - Essay

Beziehungen zu Iberoamerika

Wichtig wurden für viele Spanier auch die zahlreichen von ihrer Regierung geförderten Begegnungen mit den ehemaligen Kolonien in Lateinamerika. Mit den spanischsprachigen Ländern dort und mit den portugiesischsprachigen Brasilien und Portugal hat Spanien die Iberoamerikanische Gemeinschaft ins Leben gerufen. Die Staats- und Regierungschefs dieser 24 Länder treffen sich einmal im Jahr in einem jeweils anderen Land und beschließen Projekte der Zusammenarbeit - vorwiegend im Bereich von Kultur und Erziehung.

Spanien gibt fast 90 Prozent seiner Entwicklungshilfe nach Iberoamerika und ist auch in den vergangenen Jahren das Land, welches das meiste Geld in Mittel- und Südamerika investiert. In der Europäischen Union macht Spanien sich gerne zum Fürsprecher lateinamerikanischer Interessen. Zwischen den Menschen in Iberoamerika und Spanien gibt es so gut wie keine Ressentiments aus kolonialen Zeiten. Die Unabhängigkeitskriege, deren 200. Wiederkehr in diesem Jahr in Iberoamerika und bezeichnenderweise auch in Spanien begangen wird, waren für gewöhnlich nur kurz, denn das Spanien des 19. Jahrhunderts war einfach zu schwach, um großen Widerstand leisten zu können. Außerdem waren manche der Befreier Spanier, wie etwa der General José de San Martín (1778-1850).

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Menschen auf Arbeitssuche aus Südamerika nach Spanien gekommen, ihre gute Aufnahme wird von zahlreichen Spaniern als Dankespflicht betrachtet; in den Jahren nach dem spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939) haben besonders Argentinien, Mexiko und Chile viele spanische Intellektuelle und Künstler, die von Franco vertrieben worden waren, aufgenommen und ihnen Arbeit gegeben. Die iberoamerikanische Expansion vergrößert Spaniens Bedeutung in der Weltpolitik, wo es gern als eine mittlere Macht angesehen werden würde.

Die nächsten Jahre werden für Spanien nicht einfach werden. Um die Situation von 2007 innerhalb Europas wieder zu erreichen, müssen die Spanier, und zwar alle, hart arbeiten. Dann werden die Bauruinen aus Chamartín verschwinden und die Büros in den Hochhäusern dieses Stadtviertels wieder voll besetzt sein. Das Vertrauen in die Zukunft besteht jedenfalls weiter - auf die Frage, wie es ihnen denn gehe, antworten die meisten Spanier mit dem Satz: "Besser als gestern und schlechter als morgen."