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5.6.2010 | Von:
Nadine Kreitmeyr
Oliver Schlumberger

Autoritäre Herrschaft in der arabischen Welt

Herausforderung für Demokratieförderer

Die im vorigen Abschnitt angedeutete Dominanz informeller und vertikal ausgerichteter Beziehungsgeflechte in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sowie ihre wechselseitige Verstärkung stabilisiert den politischen Status quo der Systeme im Vorderen Orient von innen. Dabei wird jedoch auch deutlich, dass diese Systeme auf einer politökonomischen Besonderheit der Region basieren, nämlich hohen internationalen Kapitalzuflüssen, die sich der Staat ganz oder teilweise zur Verteilung im Innern anzueignen vermag. Dank des indischen und chinesischen Wirtschaftswunders werden die Weltmarktpreise für Erdöl und -gas auch künftig hoch bleiben, so dass dem arabischen Raum diese ökonomische Grundlage autoritärer Herrschaft in absehbarer Zukunft erhalten bleiben wird.

Hinzu kommt die geopolitische Präferenz westlicher Staaten für stabile autoritäre Herrschaftsstrukturen im Gegensatz zu politischen Transformationen mit unsicherem Ausgang. Wohlmeinende Demokratieförderer werden daher im Vorderen Orient auch in den nächsten Jahrzehnten wenn nicht auf Granit beißen, so doch deutlich härtere Nüsse zu knacken haben als in den meisten anderen Teilen der Welt.