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3.5.2010 | Von:
André Chahoud

Blicke hinter die Kulissen: Aus dem "Alltag" eines Politikberaters

Zum Politikberater berufen?

Wer sich heute in der Politikberatungsbranche umschaut, wird feststellen, dass die meisten erfolgreichen Agenturen von Personen geführt werden, die über jahrelange Erfahrung in der Vertretung von Interessen verfügen. Viele haben sich bereits in ihrer Jugend gesellschaftlich engagiert - sei es in der Schülervertretung, im Sportverein, in der Kirchengemeinde, in der Freiwilligen Feuerwehr, in der Jugendorganisation einer Partei oder in einer Nichtregierungsorganisation. Für dieses ehrenamtliche Engagement muss sehr viel Zeit aufgebracht werden.

Doch bei vielen Engagierten wiegen die Möglichkeit zur Gestaltung der Gesellschaft und das gemeinschaftliche Erreichen eines Zieles den Zeitaufwand wieder auf. Gemeinsame Interessen sowie das daraus resultierende Engagement bringen Menschen zusammen. Insbesondere das kollektive Erleben von Sieg oder Niederlage verbindet sie - manchmal für immer. Diejenigen, die sich stärker engagieren, die länger ihrer Partei, ihrem Verband oder ihrem Verein treu sind, tauchen immer tiefer in die Organisationsstrukturen ein, steigen die Hierarchiestufen hinauf und verfestigen im Laufe der Zeit - quasi nebenbei - die vor Jahren geknüpften Bande.

Manche kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie sich fragen müssen, ob sie dieses Ehrenamt hauptberuflich fortführen möchten. Diejenigen, die sich für diesen Weg entschieden haben, sind heute oftmals die oben bereits erwähnten Adressaten von Interessensbekundungen, also beispielsweise Politiker, Ministeriale, Gewerkschaftssekretäre oder Verbandsreferenten. Doch es gibt auch viele, die nicht in der ersten Reihe agieren wollen oder können, bei denen aber weiterhin das ursprüngliche Interesse am Gestalten vorhanden ist. Diese Personen übernehmen dann entweder Aufgaben in der zweiten Reihe ihrer Organisation, oder aber sie machen zunächst einmal etwas völlig anderes. Oftmals nehmen sie ein Studium auf, sammeln weitere Erfahrungen in der politischen Praxis und bleiben dabei stets inhaltlich auf dem Laufenden. Nach einigen Jahren stellen sie dann fest, dass viele der alten Gefährten einen ähnlichen Weg hinter sich haben und nun ähnlichen Tätigkeiten nachgehen wie sie selbst. Hier schließt sich der Kreis: Viele sind, mehr oder weniger geplant, in einem stark von der Politik geprägten Arbeitsumfeld angekommen - einige davon als Politikberater.