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3.5.2010 | Von:
André Chahoud

Blicke hinter die Kulissen: Aus dem "Alltag" eines Politikberaters

... und umsetzen

Neben dem Aufbau eines effektiven Informationsmanagementsystems müssen auch einzelne Formate zur Akteursansprache entwickelt und umgesetzt werden. Diese Maßnahmen sollten so ausgestaltet sein, dass sie den unterschiedlichen Akteuren und deren Erfahrungs- und Entscheidungshorizonten gerecht werden. Wie bereits erwähnt, umfassen die Einzelmaßnahmen ein weites Spektrum: von politischen Diskussionsabenden über Arbeitsessen bis hin zu Pressekonferenzen. Doch nicht bei jedem Berliner Diskussionsabend muss zwingend die Bundeskanzlerin anwesend sein. In der Regel sind die Fachreferenten in Ministerien oder die wissenschaftlichen Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten die richtigen Ansprechpartner. Denn sie bringen das nötige Detailwissen mit, um qualifizierte Fachgespräche zu führen. Daher ist es durchaus üblich, dass sich die Gästelisten bestimmter Veranstaltungsreihen vornehmlich aus eben jener Personengruppe zusammensetzen. Prominente politische Entscheider oder renommierte Wissenschaftler trifft man meistens als Gastredner auf solchen Veranstaltungen an.

Bei der Planung einer Abendveranstaltung für die Mitarbeiter- und Referentenebene sollte beachtet werden, dass eine sitzungsfreie Woche hierfür besser geeignet ist, als eine Sitzungswoche des Deutschen Bundestages, da sie in diesen Wochen freier über ihren Terminkalender verfügen können. Darüber hinaus gilt es auch zu gewährleisten, dass es sich bei solchen Veranstaltungen nicht um ein einmaliges Event handelt. Egal ob Brüssel, Berlin oder München: Es gilt langfristig zu denken und zu handeln. Denn einerseits muss man sich in der bestehenden Kakophonie aus vielen verschiedenen Veranstaltungen durchsetzen und andererseits entwickelt sich erst mit der Zeit ein profunder, vertrauenswürdiger Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Administration.

Möchte sich der Auftraggeber hingegen mit, beispielsweise, den fachpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen zu einem speziellen Thema austauschen, verabredet man - wie es jeder "normale" Bürger auch tun würde - einen Termin zu einem persönlichen Gespräch oder einem gemeinsamen Arbeitsessen. Die Zuständigkeiten innerhalb der Fraktionen sowie die Kontaktdaten der Abgeordneten lassen sich leicht im Internet finden.

Umfassende Politikberatung beinhaltet auch klassische PR-Arbeit: Denn die zu kommunizierenden Themen stellen in der Regel nicht nur Partikularinteressen des Auftraggebers dar, sondern sind oftmals von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Beim sogenannten agenda setting wird dafür Sorge getragen, ein bestimmtes Thema in den Diskurs zwischen Politik, Medien und Gesellschaft einzubringen. Beim agenda surfing hingegen greifen Unternehmen bereits bestehende Diskussionen auf und bringen ihre eigenen Positionen in die Debatte mit ein. In diesem Kontext spielt die Presseberichterstattung eine nicht unerhebliche Rolle, da sie sowohl auf die Politik als auch auf die Gesellschaft meinungsbildend einwirken kann. Daher gehören zur Arbeit eines Politikberaters auch die Konzeption und Umsetzung von Hintergrundgesprächen mit (Fach-)Journalisten, Presseabenden oder -konferenzen sowie die Inszenierung von Pressebildern.

Wie seit Längerem schon in der PR-Arbeit bemerkbar, nimmt mittlerweile auch im Bereich der Politikberatung die Bedeutung von social media zu. Auf den Technologien und Ideologien des Web 2.0 basierende Internetanwendungen wie Blogs, Informationsportale, Wikis und Soziale Netzwerke tragen dazu bei, das Wissen um politische Prozesse zu mehren und die Teilnahme an politischen Diskursen zu vereinfachen. Mit Hilfe dieser Werkzeuge können sich Bürger, Interessenvertreter und Unternehmen aktiv an Diskussionen beteiligen und vergrößern gleichzeitig auch ihre Chancen von den Entscheidern gehört zu werden. Bei der Auswahl der passenden Werkzeuge sowie bei der Erstellung der Inhalte können Agenturen unterstützend tätig sein.