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20.4.2010 | Von:
Katja Marek

Rekonstruktion! Warum?

Und was wollen die Bürger?

Ist es tatsächlich im Sinne der Bevölkerung, unsere Städte zu rekonstruieren? Warum brauchen Bürgerinnen und Bürger rekonstruierte Geschichte? Ist der Bürgerwille so mächtig, dass er Rekonstruktionen erzwingt?

Der Kunsthistoriker Matthias Donath schreibt von Protesten einer breiten Öffentlichkeit unter Mitwirkung von Bürgervereinen und Initiativen, die sich für die Erhaltung von bestimmten Elementen des 19. und 20. Jahrhunderts engagieren und damit die Richtung, was ästhetisch und zu erhalten ist, vorgeben.[9]

1989 wurde der "Ruf aus Dresden" von einer Gruppe Intellektueller verfasst, die damit zum Wiederaufbau der Frauenkirche aufriefen. Anfangs war diese Gruppe eine Bürgerinitiative, aus der ein Förderverein (Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden) und schließlich die Stiftung Frauenkirche e.V. hervorging. Die zentrale Aufgabe dieser Stiftung war es, ein Drittel der gesamten Bausumme als Spendengelder anzuwerben, worin der Hauptverdienst der ursprünglichen Bürgerinitiative liegt. Zwar hat sie mit dem Ruf aus Dresden den Anstoß zur Rekonstruktion gegeben, aber als Projekt tatsächlich durchgesetzt wurde es allein aufgrund dieser Bürgerbewegung nicht.

Die Bürgerinitiative in Frankfurt hat einen vollkommen anderen Charakter. Zwar ist die Ausgangsforderung nach einer Rekonstruktion dieselbe, doch hat die Bürgervereinigung dort eine politische Funktion beziehungsweise als angeblicher Spiegel der Bevölkerungsmeinung einen politischen Einfluss. Die vermeintlichen Interessen der Bürger werden öffentlich hauptsächlich über die Bürgerinitiative Pro Altstadt vertreten, die sich auch Altstadtfreunde nennt. Allerdings sind einige Mitglieder dieser Initiative im BFF vertreten, das Sitze im Magistrat innehat, also politisch tätig ist. Die Bürgervereinigung in Frankfurt tritt für die Interessen einer kleinen Gemeinschaft ein, die es geschafft hat, den Wunsch nach der Rekonstruktion der historischen Altstadt politisch durchzusetzen. Der zeitgenössische Siegerentwurf eines Architekturwettbewerbs von Ende 2005 für das Areal wurde von der Bürgerinitiative erfolgreich abgelehnt. Sie forderte im Magistrat, stattdessen auf der Grundlage des historischen Quartiersgrundrisses das Areal nicht nur im historischen Maßstab, sondern mit historischen Fassaden mit entsprechender Handwerkstechnik wieder aufzubauen. Dass sie sich damit vorerst durchgesetzt hat, ist auf eine günstige politische Konstellation der Parteien und Magistratsmitglieder und die finanzielle Planung beziehungsweise Investitionsabsicht der Stadt zurückzuführen.

Fußnoten

9.
Vgl. Matthias Donath, Denkmalpflege heißt Geschichte erlebbar machen. Vortrag anlässlich des Symposiums "Nachdenken über Denkmalpflege" im Haus Stichweh, Hannover, am 3. November 2001, online: http://edoc.hu-berlin.de/
kunsttexte/download/denk/donath.PDF, S. 1 (10.3.2010).