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20.4.2010 | Von:
Michael Zinganel

Auf Angst gebaut

Ausnahmezustand

Mit dem G8-Gipfel von Genua trat erstmals äußerst signifikant zutage, dass die Verteidigung von Treffpunkten von Regierungsvertretern und Wirtschaftskapitänen durch die Staatsmacht (auch auf europäischem Boden) eine radikale Ausweitung erfährt, die von massiven Eingriffen in Stadtgestaltung und -nutzung sowie in das Bürgerrecht charakterisiert sind. Hier entsteht eine flexible Stadt, die sich dem Repräsentations- und Schutzbedürfnis von Vertretern der Regierungs- oder Wirtschaftsmächte bei Bedarf völlig unterordnen muss. De-Territorialisierung und Re-Territorialisierung betroffener Stadtteile können scheinbar nach Belieben verfügt werden. Die Bürger der Stadt werden vorübergehend ausgesperrt oder auf bestimmte Zeit enteignet. Der Staatsapparat versetzt eine ganze Stadt in militärischen Ausnahmezustand, er demonstriert seine Wehrbereitschaft durch die baulichen Maßnahmen, ebenso wie durch das martialische Auftreten seiner Truppen, die den Widerspruch seitens der Gegner erst recht herausfordert. Auf symbolischer Ebene wird dadurch eine eindeutige Bewertung vorgenommen, die zu schützenden aufgewertet und die ausgeschlossenen, vermeintlichen Angreifer diabolisiert.