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4.3.2010 | Von:
Martin Sabrow

Der vergessene "Dritte Weg"

Vom Königsweg zum Irrweg

Dass sich der Königsweg so rasch und entschieden in einen Irrweg verwandelte,[28] lässt sich nicht allein aus der Wirkungsmacht der Teleologie ableiten. Sie allein kann schwerlich erklären, warum die Zielvorstellung eines "Dritten Wegs" - anders als im Gefolge der deutschen Novemberrevolution 1918/19, des Ungarn-Aufstands 1956 oder des Prager Frühlings 1968 - heute keinen öffentlichen Erinnerungswert mehr besitzt und selbst in der Revolutionsdeutung vieler seiner einstigen Protagonisten wie ausradiert erscheint.

Die übrig gebliebenen Anhänger einer sozialistischen Erneuerung, die sich als authentische Vertreter des oppositionellen Geistes von 1989 verstehen und "das Umlügen der eigenen Geschichte" durch die "nachträglichen Fetischisten des Status quo" geißeln,[29] glauben die Erklärung in der moralischen Denunzierung ihrer einstigen Mitstreiter finden zu können. Doch wer die Abkehr der Bürgerrechtsbewegung von der Vision des "Dritten Wegs" vornehmlich auf die unterwürfige Anpassungsbereitschaft von Oppositionellen zurückführen will, "die in Amt oder Mandat ihren Frieden mit dem Bestehenden gemacht haben",[30] hält ausgerechnet denen eine herrschaftsfromme Charakterschwäche vor, die sich vor dem Herbst 1989 durch regimekritische Gesinnungsstärke ausgezeichnet hatten.[31] Mehr analytischen Gewinn verspricht eine Erklärungsstrategie, welche die Ursache für das Verschwinden des "Dritten Wegs" nicht in den Akteuren des Umbruchs sucht, sondern in den politisch-kulturellen Bedingungen, unter denen sie handelten.

Der überragende Grund für das rasche Verschwinden des "Dritten Wegs" aus der politischen Diskussion ergibt sich fraglos aus seiner Inkompatibilität mit den Zielen und Interessen der in Bewegung geratenen Massen, die das Grenzregime des Mauerstaats seit Sommer 1989 immer stärker unter Druck zu setzen begonnen hatten und denen am 9. November die missverständliche Medienreaktion auf eine missverständliche Erklärung zum neuen Reisegesetz genügte, um die Tore der Mauer zu sprengen. Dass der kurzzeitigen "Verschmelzung von Opposition und Volksprotest"[32] ebenfalls eine Fehlannahme zugrundelag, tat Bärbel Bohley nur Tage nach dem Mauerfall mit drastischen Worten kund: "Die Menschen sind verrückt, und die Regierung hat den Verstand verloren."[33]

Bis zum Mauerfall hatte der Druck des Regimes den unterschiedlichen Bewegungen von Regimekritikern, Montagsdemonstranten und Ausreisern ein gemeinsames Ziel gegeben, wiewohl gerade die Ausreiserproblematik immer wieder die Gräben zwischen der auf demokratische Erneuerung hinarbeitenden Bürgerrechtsbewegung und der auf Reisefreiheit und Wohlstandsteilhabe gerichteten Volksbewegung hatte aufscheinen lassen.[34] In dem Moment, als die SED-Diktatur ins Wanken geriet, schossen nicht nur die strukturell entgegengesetzten Handlungsstrategien von Ausreisern und Hierbleibern zusammen. Für wenige Wochen konnte die Protestbewegung einer kleinen Gruppe standhafter Regimekritiker zum Sprachrohr der massenhaft anschwellenden und dann landesweiten Loyalitätskündigung in der Gesellschaft werden. Welche Irritationen diese situative Allianz auf beiden Seiten erzeugte, illustrierte rückblickend ein Sprecher des Neuen Forums, das für den 2. Oktober in Schwerin zu einem Gesprächsabend geladen hatte: "Wir fragten uns an diesem Abend: Was wollen die ganzen Leute hier?" Auf der Gegenseite war demselben Zeugnis nach die Fremdheit nicht geringer: "Es kamen Leute, die ihre Sympathie, die ihre Unterstützung für das Neue Forum erklären wollten, die mitarbeiten wollten, die sich engagieren wollten. (...) Ich habe dann angefangen zu erzählen, was wir vorhaben, (...) wo das Ganze hingehen soll. Aber häufig lief das dann darauf hinaus, daß sie irgendwann zumachten und sagten: Bitte, das ist jetzt alles zuviel, das wollen wir alles nicht wissen, zeigen Sie uns einfach, wo sollen wir unterschreiben, sagen Sie uns, wer ist hier der Chef, wer sagt, wo's lang geht und was wir machen sollen."[35]

So ernüchternd dieses Zusammenfinden denkbar unterschiedlicher politisch-kultureller Milieus war, und so misstrauisch viele Bürgerrechtler gegenüber dem Massenzulauf blieben, erzeugte die plötzliche Popularität der Protestbewegung doch zwangsläufig die beflügelnde Vorstellung einer gesamtgesellschaftlichen Verankerung, die dann ihre Realitätsferne im Laufe des Jahres 1990 in aller Härte offenbaren sollte. Viele Bürgerrechtler waren unter dem Eindruck dieser Enttäuschung bereit, sich lieber von der Idee eines "Dritten Wegs" zu trennen als den einmal erreichten Konsens mit der Mehrheitsbevölkerung wieder preiszugeben. Sie mochten darin durch die oft schmerzhafte Erkenntnis bestärkt worden seien, dass die Dissidenten auch von den oppositionellen Bewegungen in den anderen kommunistischen Staaten Ostmitteleuropas isoliert waren, die sich längst von reformsozialistischen Hoffnungen verabschiedet hatten.[36]

Aber auch wer auf die Abwahl der Bürgerrechtsbewegung resignativ oder gelassen mit dem Ausstieg aus der Politik reagierte, tat dies im Bewusstsein, dass es für einen "Dritten Weg" keinen Handlungsspielraum mehr geben könnte, in dem zugleich das herrschaftskritische Selbstverständnis der Bürgerrechtsbewegung aufgehoben bliebe. Die eben noch scheinbar die Bevölkerung mobilisierende Vision eines "Dritten Wegs" erwies sich in den Monaten der welthistorischen Wende von 1989/90 als ein gleich in mehrfacher Hinsicht aus der Zeit gefallener Denkansatz, der einer vergangenen Sinnwelt des Politischen angehörte. Von der Mehrheitsbevölkerung trennte ihn das Ethos der Selbstbescheidung und der Geist der Askese, der das politische Denken der Verfechter eines erneuerten Sozialismus über den Zusammenbruch des SED-Staates hinaus grundierte. Hätten die freudetrunken den Fall der Mauer feiernden DDR-Bürger die Sprecher der Bürgerrechtsbewegung auch weiterhin als ihre Galionsfiguren akzeptiert, wenn sie gewusst hätten, dass Einzelne von ihnen zur selben Zeit über einen Aufruf der Opposition zur erneuten Grenzschließung berieten, "da die DDR ansonsten wirtschaftlich schnell ausbluten würde"?[37] Die Zukunftsvorstellungen der Oppositionsgruppen und der SED-Reformer trafen sich vielfach in der Abgrenzung von den Ausreisewilligen, denen die materiellen Segnungen des Westens mehr galten als die Mühen des Widerstands daheim, und sie trafen sich im gemeinsamen Grundzug einer moralischen Selbstbescheidung, der die ökologische Bewegung ebenso charakterisierte, wie er ihre Distanz zur westdeutschen Wohlstandsgesellschaft verstärkte.[38]

Der "Affekt gegen den Konsumismus"[39] ließ die Erneuerer des DDR-Sozialismus die Freude über Kaffeepakete als "würdelos"[40] ablehnen und mit einer Mischung von Schmerz und Verachtung auf ihre Landsleute blicken, die sich im Westen für ihr Begrüßungsgeld in die Schlange stellten, anstatt im Osten für eine bessere Zukunft zu kämpfen. "Ihr seid die Helden einer politischen Revolution, laßt Euch jetzt nicht ruhigstellen durch Reisen und schuldenerhöhende Konsumspritzen!", verlangte ein Aufruf des Neuen Forums nach dem Mauerfall[41] und deutete damit bereits den nur zeitweilig überdeckten Gegensatz der Demokratiebewegung zur wohlstandsorientierten Volksbewegung an. Während zwischen der zweiten Novemberhälfte 1989 und der ersten Februarhälfte 1990 die Zahl der DDR-Bürger, die sich für "den Weg eines besseren, reformierten Sozialismus" aussprachen, von 86 auf 56 Prozent sank und die der Vereinigungsbefürworter von 48 auf 79 Prozent stieg,[42] proklamierte das Neue Forum als Ziel seiner Arbeit, "dass so etwas wie eine DDR-Identität entsteht, die nach vierzig Jahren Verordnung von oben jetzt vielleicht die Möglichkeit hat, von unten zu wachsen".[43]

Strukturelle Differenzen taten sich aber auch zwischen der Bürgerrechtsbewegung und der politischen Denkwelt in der Bundesrepublik auf. Ein breiter Graben trennte das marktliberale und individualistische Freiheitsverständnis der politischen Kultur in der Bundesrepublik von einer DDR-Opposition, die "den Begriff der Freiheit nicht (...) als möglichst weitgehende Entgrenzung materieller Separatinteressen interpretierte, sondern (...) vor allem als soziale Norm und Verpflichtung begriff".[44] Das Politikverständnis der DDR-Opposition stand den prozeduralen Entscheidungsmustern politischen Handelns in westlichen Demokratien vielfach fremd gegenüber. Es orientierte sich an den Idealen einer basisdemokratischen Willensbildung, die auf Konsensgewinnung statt auf Konfliktaustrag zielte, und es war von einer aus der Diktaturerfahrung geborenen Machtscheu geprägt,[45] welche die Opposition im entscheidenden Moment die greifbar nahe Gelegenheit zur "Machtübernahme" verpassen ließ.[46] Der basisdemokratische und konsensorientierte Anspruch der Bürgerrechtsbewegung konnte sich lediglich in der Bildung der "Runden Tische" im Zuge der SED-Entmachtung manifestieren. Er fand darüber hinaus Eingang in den Verfassungsentwurf, der mit der Institutionalisierung der Bürgerbewegungen (Art. 35) und der Einrichtung von Volksentscheid und Volksbegehren (Art. 98) eine plebiszitäre Komponente schuf und mit der Stärkung der Rechte der Opposition (Art. 51) dem tradierten Konsensprinzip der oppositionellen Gruppen Rechnung trug.

Spätestens als die nach der Volkskammerwahl vom 18. März 1990 neugebildete Regierung Lothar de Maizières den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik nach Artikel 23 GG beschloss, bot sich der geschrumpften Anhängerschar eines "Dritten Wegs" nur noch jene politische Kraft als Weggenossin an, die in unmittelbarer Kontinuität zum institutionellen Kern der SED-Diktatur stand und deren materielles wie mentales Erbe angetreten hatte: die SED-PDS bzw. die PDS. Schon der den Außerordentlichen Parteitag im Dezember 1989 vorbereitende Arbeitsausschuss der SED hatte das Existenzrecht der erneuerten DDR nur noch in der "historische(n) Chance einer deutschen Alternative des demokratischen Sozialismus" gesehen.[47] Entsprechend warb die PDS im Vorfeld der Volkskammerwahl für einen "demokratischen Sozialismus", der die Herrschaft der Politbürokratie und die Herrschaft der Banken gleichermaßen hinter sich lasse und mit Hilfe der Dominanz des gesellschaftlichen Eigentums in die Herrschaft des Volkes überführe.[48]

Ein Zusammengehen mit den politischen Erben der totalitären Macht, deren Zurückdrängung das gemeinsame Anliegen aller dissidentischen Strömungen gebildet hatte, hätte dem Selbstverständnis der allermeisten oppositionellen Gruppen angesichts der veränderten Rahmenbedingungen und des absehbaren Aufgehens der DDR in der Bundesrepublik entschieden mehr abverlangt als die Abkehr von der Utopie des "Dritten Wegs". Nur wenige Bürgerrechtler etwa der Vereinigten Linken stellten die inhaltlichen Gemeinsamkeiten über die historische Gegnerschaft. Mit überwältigender Mehrheit aber lehnten die Oppositionellen eine Zusammenarbeit mit der geläuterten Staatspartei und ihren innerinstitutionellen Kritikern auch dann ab, wenn sie konzedierten, dass "wir eigentlich viele übereinstimmende Positionen dazu hatten, was jetzt nötig sei".[49] Keine inhaltliche Nähe vermochte die Kluft zu einer SED-PDS zu überbrücken, die sich einer Neugründung unter Verzicht auf das Erbe der Staatspartei verweigerte und bis in den revolutionären Umbruch hinein ungebrochen dem in die Frühphase des 20. Jahrhunderts zurückweisenden Glauben an die erzieherische Rolle der Avantgarde und die führende Rolle der Partei anhing.[50]

Von der eigenen Bevölkerung abgelehnt und ohne Widerhall in West wie in Ost, konnte ein "Dritter Weg", dem sich alleine noch ausgerechnet die gestürzte Diktaturpartei verpflichtet fühlte, keine politische Option der bürgerrechtlichen Bewegung mehr sein. In vielen Oppositionellen der späten DDR wurde der identitätsstiftende Glauben an eine sozialistische Erneuerung der DDR in kurzer Zeit zur Scham über die "peinliche Utopisterei",[51] deren Überwindung als persönliche Befreiung erlebt werden konnte.[52]

Dass das oppositionelle Konzept eines "Dritten Wegs" so nachhaltig von der Agenda des politischen Handelns verschwinden konnte, lag auch an seiner inhaltlichen Unbestimmtheit. Theoretische Diskussionen, die zur inhaltlichen Füllung der Vorstellung eines "verbesserlichen Sozialismus" hätten beitragen können, waren nicht das Anliegen der Bürgerrechtsbewegung gewesen.[53] Die unterschiedlichen Überlegungen der Oppositionsgruppen trafen sich in der Kritik an der stalinistischen und dogmatischen Verzerrung des "realen" Sozialismus und seiner diktatorischen Herrschaft, ließen aber Zukunftsvorstellungen weitgehend vermissen.[54] Letzteres gilt auch für die theoretisch fundierten Reformkonzepte der innerparteilichen SED-Reformintelligenz, die vorwiegend in akademischen Denkzirkeln etwa der Humboldt-Universität entwickelt wurden.[55]

In dem Moment, in dem die Massenbewegung die Mauer überwunden hatte, die sich ihrer Partizipation am westlichen Wohlstand in den Weg gestellt hatte, erodierte der leere Konsens über den "Dritten Weg" in die Zukunft ebenso wie die Machtstrukturen der SED-Herrschaft, aus deren Ablehnung er erwachsen war. Hinter ihm offenbarte sich die konzeptionelle Ratlosigkeit einer Opposition, die vom Mauerfall überrascht worden war. Die inhaltliche Unbestimmtheit des "Dritten Wegs" machte es vielen Bürgerrechtlern leicht, ihn als Hindernis einer Verständigung mit der in Aufruhr geratenen DDR-Bevölkerung hinter sich zu lassen.[56]

Fußnoten

28.
So treffend Eckhard Jesse, Einleitung, in: ders. (Hrsg.), Eine Revolution und ihre Folgen. 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz, Berlin 2000, S. 10.
29.
Bernd Gehrke, 1989 und keine Alternative?, in: ders./W. Rüddenklau (Anm. 4), S. 430 und 420.
30.
Judith Demba u.a., Offener Brief an Joachim Gauck, 8.11. 1999, zit. nach: http://judithdemba.two day.net/stories/837755/main (26. 2. 2010).
31.
"(W)ie sich Freunde in Fremde und Kampfgefährten in peinliche Speichellecker des heute herrschenden Systems verwandelten, das ist schon ein durchaus befremdlicher Vorgang." Zit. nach: Bernd Gehrke/Wolfgang Rüddenklau, Vorwort, in: dies. (Anm. 4), S. 10.
32.
Klaus-Dietmar Henke, 1989, in: ders. (Hrsg.), Revolution und Vereinigung 1989/90, München 2009, S. 28.
33.
Zit. nach: E. Neubert (Anm. 2), S. 234.
34.
Vgl. Detlef Pollack, Politischer Protest. Politisch-alternative Gruppen in der DDR, Opladen 2000, S. 215.
35.
Martin Klähn, Bürgerbewegung als Träger der Wende - Bericht eines Zeitzeugen, in: Landtag Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Aufarbeitung und Versöhnung III. Zur Arbeit der Enquete-Kommission "Leben in der DDR. Leben nach 1989", Schwerin 1996, S. 137.
36.
F. Schorlemmer beschrieb diese Erfahrung im September 1989 so: "Als ich im Sommer in Polen war und mit Polen diskutiert habe, habe ich mich fast lächerlich gemacht damit, daß ich wirklich etwas vom Sozialismus halte." Zit. nach: G. Rein (Anm. 10), S. 145.
37.
Ein entsprechendes Treffen in seiner Wohnung mit Wolfgang Ullmann und Sebastian Artzt von "Demokratie Jetzt" überliefert E. Neubert (Anm. 2, S. 235) für den Abend des 13. November 1989 (an anderer Stelle: des 10. November) und referiert dessen Ausgang bemerkenswert schmallippig: "Die Idee wurde verworfen."
38.
Exemplarisch sind die Thesen einer Wittenberger Gemeindegruppe um Schorlemmer zum Kirchentag in Halle 1989: "Weil das Bewußtsein für den wahren Wert der Produkte gering ist, halten wir es für erforderlich, die Preise für Grundnahrungsmittel, Wohnungen und Energie so zu gestalten, daß nicht weiter achtlos damit umgegangen wird." F. Schorlemmer (Anm. 22), S. 46.
39.
E. Jesse (Anm. 28), S. 273.
40.
D. Segert (Anm. 3), S. 121.
41.
Zit. nach: Julia Michelis (Hrsg.), Die ersten Texte des Neuen Forum, Berlin 1990, S. 20.
42.
Vgl. Peter Förster/Günter Roski, DDR zwischen Wende und Wahl. Meinungsforscher analysieren den Umbruch, Berlin 1990, S. 53, S. 56.
43.
Mitteilungsblatt des Neuen Forum Nr. 5 vom 14.11. 1989, zit. nach: Ch. Geisel (Anm. 12), S. 148.
44.
Ebd., S. 64.
45.
Vgl. Konrad Weiß, "Was macht ihr, wenn ihr die Macht habt?", in: E. Jesse (Anm. 28): "Was wir keinesfalls wollten, war Macht." (S. 48)
46.
Vgl. z.B. Jens Reich, Revolution in der DDR - und zehn Jahre danach, in: A. Pabst u.a. (Anm. 11): "Viele von uns waren überdies aus moralischen und politischen Erwägungen nicht zu einer Machtübernahme bereit." (S. 46)
47.
Der Außerordentliche Parteitag der SED im Dezember 1989, in: DA, 23 (1990) 2, S. 291. Zur Entstehung und Zusammensetzung des Arbeitsausschusses vgl. D. Segert (Anm. 3), S. 29f.
48.
Vgl. D. Rochtus (Anm. 12), S. 239.
49.
So die Erinnerung des SED-Reformers Segert an ein Treffen mit dem SDP-Mitbegründer Hans Misselwitz am 19.11. 1989, vgl. D. Segert (Anm. 3), S. 126.
50.
Vgl. Michael Brie/Rainer Land/Hannelore Petsch/Dieter Segert/Rosi Will, Das Umbaupapier, in: Rainer Land (Hrsg.), Das Umbaupapier (DDR). Argumente gegen die Wiedervereinigung, Berlin 1990: "Reformprozesse müssen durch eine politische Kraft geführt werden, die Handlungsspielraum besitzt. Dies ist unter den Bedingungen des Sozialismus in der DDR heute allein die SED, die auf neue Weise das Integrationszentrum für progressive politische Parteien und Massenorganisationen, Bewegungen und Bürgerinitiativen werden muss. Die SED muss sich selbst an die Spitze des Reformprozesses stellen (...)." (S. 128)
51.
B. Gehrke (Anm. 29), S. 430.
52.
Vgl. Vera Lengsfeld, "Der Stalinismus ist eine Entzerrung des Kommunismus zur Kenntlichkeit", in: E. Jesse (Anm. 28): "Sich von eingetrichtertem Sozialismus und Reformsozialismus, sich von linker Utopie zu entfernen, von angstbestimmter Politik, ideologischer Depression und verinnerlichtem Antikapitalismus zu lösen, war schwer. Aber es war für mich ein (...) Prozeß der politischen Emanzipation." (S. 80)
53.
Vgl. Günter Nooke, "Wir trauten uns nicht, die auf der Straße liegende Macht aufzuheben", in: ebd.: "Wir haben gehandelt, nicht theoretisiert." (S. 103)
54.
Vgl. D. Rochtus (Anm. 12), S. 103; K. Timmer (Anm. 25), S. 339ff.
55.
Vgl. Michael Brie, Die Wende, in: Ch. Schüddekopf (Anm. 14), S. 217.
56.
Vgl. E. Neubert (Anm. 2), S. 236.

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