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4.3.2010 | Von:
Michael Richter

Doppelte Demokratisierung und deutsche Einheit

Die Friedliche Revolution brachte eine eigene DDR-Demokratie hervor. Ohne sie hätte man international eine Entscheidung für die deutsche Einheit nicht akzeptiert.

Einleitung

Nicht um demokratisch zu werden trat die DDR in der Gestalt von fünf neuen Bundesländern am 3. Oktober 1990 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei. Nach einer kurzen Phase der Demokratisierung war die DDR bereits seit rund einem halben Jahr ein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat. Mit dem Beitritt wurde lediglich ein demokratisches System durch ein anderes ersetzt. Binnen kurzer Zeit lebten die Ostdeutschen in zwei Demokratien, wobei sie die erste maßgeblich selbst gestalteten. Sie war die Voraussetzung, um an der bundesdeutschen Staatlichkeit samt deren Demokratie partizipieren zu können.






Es kommt selten zum plötzlichen Austausch eines demokratischen Systems durch ein anderes. Im vorliegenden Fall hat dies mit der erstrebten Überwindung deutscher Zweistaatlichkeit zu tun. Mit dieser Singularität unterschied sich die Demokratisierung der DDR von der in allen ostmitteleuropäischen Nachbarstaaten. Das Wissen um sie hilft, das Verhältnis vieler Ostdeutscher zur heutigen Demokratie zu verstehen. Diese wird nicht nur mit der untergegangenen Diktatur verglichen, sondern auch an der eigenen Demokratisierungsleistung der Jahre 1989/90 gemessen.


Dossier

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