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26.2.2010 | Von:
Tanja Ernst
Ana María Isidoro Losada

Nord-Süd-Beziehungen: Globale Ungleichheit im Wandel?

Empirisches und theoretisches Nord-Süd-Gefälle

Die Soziologie bearbeitete die Fragen der sozialen Ungleichheit bisher überwiegend im nationalstaatlichen Bezugsrahmen. Weltweite sowie zwischenstaatliche Ungleichheiten wurden dagegen kaum in den Blick genommen.[4] Während in den 1990er Jahren die internationalen Entwicklungs- und Finanzorganisationen den Diskurs um die Bekämpfung der weltweiten Armut zunehmend in den Mittelpunkt rückten, sind Zahlen und Fakten über die Entwicklung von Ungleichheit im Weltmaßstab erstaunlich selten. Dass dies kein Zufall ist, sondern durchaus politischen Motiven entspringen könnte, wird jüngst zunehmend kritisiert. So benennt Branko Milanovic ungewohnt deutlich, dass diese Forschungslücke augenscheinlich den Interessen der Eliten diene, da eine stärkere Thematisierung von Ungleichheit die Legitimität der bestehenden Reichtumsverteilung in Frage stellen könnte.[5]

Fußnoten

4.
Branko Milanovic, Hauptverantwortlicher der Weltbank für das Thema Armut, Einkommensverteilung und Ungleichheit, unterscheidet zwischen internationaler und globaler Ungleichheit. Während erstere Ungleichheit auf der Basis von durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen zwischen einzelnen Staaten fokussiert, bezieht sich letztere auf die Ungleichheit zwischen Individuen weltweit, wobei sowohl Einkommensungleichheiten zwischen den Ländern als auch innerstaatliche Ungleichheiten berücksichtigt werden.
5.
Vgl. Branko Milanovic, Why We All Do Care About Inequality (but are loath to admit it), online: http://129.3.20.41/eps/hew/papers/0404/0404001.pdf (20.1. 2010).

Dossier

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