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21.9.2011 | Von:
Sonja Hegasy

"Arabs got Talent": Populärkultur als Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen

Individuelle Ausdrucksfreiheit durch Massenkultur

Im Zentrum der hier nur kursorisch zusammengestellten Medien vom Comic-Magazin bis zur Talentshow steht der Ruf nach individueller Ausdrucksfreiheit, nach Teilhabe und Wahlfreiheit des Individuums. Wahlfreiheit ist im Übrigen keine Erfindung des Neoliberalismus. Auch Individualismus ist zunächst ein wertfreier Begriff. Er kann positive, emanzipatorische Auswirkungen haben wie auch negative - wie zunehmender Egoismus oder die Vereinzelung des Menschen. Jahrhundertealte Loyalitäten zerbrechen im Prozess der Individualisierung ebenso wie überkommene Autoritäten.

Spielshows sind nicht allein Ausdruck einer nivellierenden, neoliberalen Massenkultur. Man darf sie nicht nur als Kopie westlicher Wirtschaftsgüter abtun, sondern sollte über die Gemeinsamkeit in der Form hinaus die spezifische Aneignung in lokalen Kontexten erkennen. Im Mittelpunkt dieser Talentshows steht die eigenständige Entscheidungs- und Meinungsbildung. In der Region nutzen verschiedene Medien Shows wie diese, um stolz über das eigene Innovations- und Kreativitätspotenzial zu berichten. Wer 2009 mit einem der 7000 Kandidaten und Kandidatinnen von "Stars of Science" gesprochen hätte, hätte vielleicht etwas mehr über die Lebenssituation einer Vielzahl junger Menschen, ihre Hoffnungen und Visionen für die Zukunft erfahren.