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30.6.2011 | Von:
Markus Kaim

Internationale Sicherheitspolitik nach dem 11. September

Ein Risiko unter vielen

Es ist schwer, anhand von öffentlichen Quellen den Erfolg der skizzierten Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung zu bewerten. Erfolgt ein Anschlag, erscheinen die staatlichen Maßnahmen wirkungslos, obgleich die Öffentlichkeit nicht substanziell einzuschätzen vermag, wie viele Anschläge erfolgreich verhindert werden konnten. Unterbleiben Anschläge, muss dies nicht zwangsläufig in einer effektiven Adaptionsstrategie begründet sein, sondern kann auch mit einem Strategiewechsel des Gegners zu tun haben.

Festzuhalten ist jedoch, dass der transnationale, islamistische Terrorismus, der im September 2001 noch als die nunmehr alles dominierende sicherheitspolitische Bedrohung erschien, heute lediglich ein Risiko unter vielen anderen ist, mit dem westliche Gesellschaften umgehen müssen. Al Qaida in seinen diversen regionalen Spielarten und seine Anschläge werden kaum jemals vollständig zu beseitigen sein.

Terroristische Aktivitäten lassen sich aber durch eine Vielzahl von Gegenmaßnahmen stark einhegen, so dass sie bislang beherrschbar geblieben sind und statistisch kein größeres Risiko darstellen, als bei einem Autounfall in Mitleidenschaft gezogen zu werden.[12] Zwar mögen einzelne Individuen in den westlichen Industrienationen durch Anschläge verletzt oder getötet worden sein, aber weder die politische Souveränität oder territoriale Integrität der Staaten noch das Funktionieren ihrer Gesellschaften sind substanziell bedroht.

Schließlich ist ein Letztes zu bedenken: Hauptziel des islamistisch inspirierten Terrorismus ist weniger die Schädigung "des Westens" an sich, sondern der Sturz diverser politischer Regime im Nahen und Mittleren Osten, in Südasien sowie in Nordafrika. Die Zahl entsprechender Anschläge in diesen drei Regionen liegt im Vergleich zu denen in Europa und den USA ungleich höher. Doch entspricht das Unsicherheitsgefühl westlicher Gesellschaften diesem Sachverhalt kaum. Im Gegenteil: Die eigene Gefährdung und die eigenen Opfer werden überhöht wahrgenommen, die Gefährdung anderer hingegen weitgehend ausgeblendet.

Fußnoten

12.
Vgl. Daniel Möckli, 9/11 ten years on: Terrorism as a manageable risk, in: ders. (ed.), Strategic trends 2011, Zürich 2011, S. 67-88.