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9.5.2011 | Von:
Eckhard Nagel
Kathrin Alber
Birgitta Bayerl

Transplantationsmedizin zwischen Fortschritt und Organknappheit. Geschichte und aktuelle Fragen der Organspende

Vermittlung von Spenderorganen

Für Deutschland wird die Allokation von Spenderorganen von der Eurotransplant International Foundation, eine private, gemeinnützige Stiftung niederländischen Rechts mit Sitz in Leiden, durchgeführt. Eurotransplant, das auf Initiative verschiedener Transplantationsmediziner 1967 gegründet wurde, war bereits vor dem Inkrafttreten des deutschen Transplantationsgesetzes ohne formale Rechtsgrundlage für die Vermittlung von Organen an Patienten in deutschen Transplantationszentren zuständig. Ein Vertrag im Sinne von Paragraf 12 Absatz 1 und 2 TPG berechtigt Eurotransplant nun offiziell mit der Vermittlung von Organen im Geltungsbereich des Transplantationsgesetzes.[15]

Eurotransplant vermittelte zu Beginn ausschließlich Spendernieren, dehnte seine Aktivitäten dann auf Leber-, Herz- und Pankreastransplantationen, mittlerweile auch auf Lungen- und Zwölffingerdarmtransplantationen aus. Am Eurotransplant-Programm nehmen neben den deutschen außerdem noch die Transplantationszentren aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Slowenien, Österreich und Kroatien teil. Von Anfang an verfolgte Eurotransplant das Ziel einer zentralen Registrierung von Patienten, um auf Basis eines größtmöglichen Organempfänger-Pools eine optimale Organallokation garantieren zu können.

Die vermittlungspflichtigen Organe sind nach Paragraf 12 TPG insbesondere nach den medizinischen Kriterien Erfolgsaussicht und Dringlichkeit unter Wahrung der Chancengleichheit zu vergeben. Nicht-medizinische Kriterien finden in diesem Zusammenhang keine Berücksichtigung. Dennoch fließen de facto solche nicht-medizinischen Kriterien wie die "Import-Export-Bilanz" der Länder, die in die Eurotransplant-Strukturen eingebunden sind, in bestehende Allokationsalgorithmen mit ein.

Da die Länder im Eurotransplant-Verbund keine einheitlichen Transplantationsgesetze und -richtlinien aufweisen, müssen bei der Vergabe von Spenderorganen jeweils auch nationale Rechtsgrundsätze und Allokationsregeln beachtet werden. Für Deutschland gelten dabei die "Richtlinien zur Organtransplantation gemäß Paragraf 16 TPG" der Bundesärztekammer, welche die grundlegenden Prinzipien und auch relevante Kriterien und deren Gewichtung für die Vergabe von Spenderorganen festlegt.[16]

Fußnoten

15.
Vgl. Thomas Gutmann, Für ein neues Transplantationsgesetz, Berlin 2006, S. 137.
16.
Vgl. Bundesärztekammer, Richtlinien zur Organtransplantation gemäß §16 TPG Deutsches Ärzteblatt, in: Deutsches Ärzteblatt, 103 (2006) 48, S. A-3282-A-3290.

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