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9.5.2011 | Von:
Christian Lenk

Mein Körper - mein Eigentum?

Verfügungsgewalt und Kontrollrechte

Wenn der Körper und seine Teile als Eigentum behandelt werden, stellt sich auch die Frage, wer Verfügungsgewalt und Kontrollrechte über ihn gewinnt. Aus diesem Grund sehen viele Ethiker und Medizinrechtler in Staaten wie Großbritannien, das eine lebendige Tradition des no-property-principle besitzt, die Rede vom Eigentum am menschlichen Körper sehr kritisch. Dennoch muss die Auffassung von Körpermaterialien als mögliches Eigentum noch nicht bedeuten, dass Spender von Körpermaterialien und Patienten enteignet oder ausgebeutet werden. Medizinethik und Medizinrecht halten heute eine Reihe von Maßnahmen bereit, um die Verfügungsgewalt von Patienten über ihre Körpermaterialien sicherzustellen.

Es ist allerdings eine erstaunliche Feststellung, dass der Umgang mit dem Körper und seinen Teilen in Deutschland und Europa eher schwerpunktmäßig und ungleichmäßig als umfassend und homogen geregelt ist. Teilweise scheinen die getroffenen Regelungen in unterschiedlichen Bereichen auch nicht gut zusammenzupassen oder sich sogar zu widersprechen.

Aus medizinethischer Sicht wäre es insbesondere wichtig, sich darüber klar zu werden, warum wir mit dem Körper und seinen Teilen auf eine bestimmte Art und Weise verfahren (wie beispielsweise um eine Schädigung von Spendern zu vermeiden, um die Information und Selbstbestimmung von Patienten zu verbessern oder zum allgemeinen Schutz der Menschenwürde) und was ein kohärenter Umgang in verschiedenen Kontexten bedeutet (wie etwa in der Gewebeforschung, Organspende oder dem Umgang mit dem menschlichen Leichnam).

Es ist eine politische Aufgabe, durch entsprechende Regelungen die ausreichende Information von Patienten und Spendern von Geweben und Organen zu gewährleisten und den Missbrauch und die Zweckentfremdung von Körpermaterialien und Patientendaten zu vermeiden. Solche Regelungen können das Vertrauen in die moderne Forschung mit Körpermaterialien stärken und Patienten und Spendern das Gefühl vermitteln, jederzeit die Kontrolle über aus ihrem Körper entnommenen Materialien zu behalten. Ob wir unseren Körper also tatsächlich als unser Eigentum auffassen sollten, ist insgesamt fraglich - aber wenn wir es tun, dann sollten wir auch die Kontrolle über entnommene Proben und Materialien behalten.


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