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12.4.2011 | Von:
Thomas Schneider
Daniel Küchenmeister

Sport ist Teilhabe! - Essay

Sport ist mehr

Mehr als nur ein weiterer Partner ist das Bildungssystem. Immerhin beginnt sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass Schule und Sport nicht notwendig in Konkurrenz zueinander zu sehen sind. So veröffentlichte der DOSB im Jahre 2008 das Grundsatzpapier "Chancen der Ganztagsförderung nutzen", das den Vereinen Ängste nehmen und auf die Chancen hinweisen soll, welche die Ganztagsförderung an den Schulen gerade für den organisierten Sport bietet. Doch noch darüber hinaus sollte Sport als elementarer Teil von Bildung, ja als Bildung selbst begriffen werden.

Auch die Vermittlung von sozialen Kompetenzen ist hier an herausragender Stelle zu nennen, erfordern doch die zahlreichen Handlungsoptionen in einer multikulturellen und von mannigfaltigen sozialen Milieus geprägten Bürgergesellschaft zunehmend Fähigkeiten, die - nebenbei oder gezielt - im Rahmen und am Rande sportlicher Aktivitäten eingeübt werden können. Wer in einem Verein aktiv ist, erfährt, erlebt und ermöglicht für sich und andere den Mehrwert des Sports in Hinblick auf Integration, Sozialisation, Demokratie, Gesundheit, Ökonomie und dergleichen mehr. Im Sport werden die soziokulturellen Grundlagen der Gesellschaft, ihre Wertvorstellungen, Umgangsformen und sozialen Netze permanent revitalisiert. Darüber hinaus schafft er eine Vielzahl und Vielfalt an Gelegenheiten zur Mitentscheidung und -gestaltung und trägt somit zur sozialen Integration von benachteiligten Menschen und mittels Symbolen, Ritualen und Inszenierungen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei (erinnert sei etwa an den Fähnchen schwenkenden Party-Patriotismus bei der Fußball-WM 2006). Und der Bedarf an der Bereitstellung dieser Ressourcen wächst angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Vor dem Hintergrund der im Spätsommer 2010 aufbrechenden Debatte fand gerade das Thema Migration und Integration großen medialen Widerhall. Es nützt wenig, marktschreierisch die integrative Kraft des Fußballs zu beschwören und den jungen Nationalspieler Mesut Özil als neuen Messias einer multikulturellen Gesellschaft zu verklären. Genauso wenig hilft es aber, die Bemühungen des DFB pauschal als Luftblase zu diskreditieren oder so zu tun, als dienten sämtliche Maßnahmen allein der Imagepflege. Demgegenüber sind der seit 2007 verliehene Integrationspreis, die Ernennung einer Integrationsbeauftragten und viele unterstützte Programme und Projekte mehr als nur symbolische Akte, auch wenn auf der anderen Seite immer noch genug zu tun bleibt und es auch an Ideen nicht mangelt: Beispielsweise wäre eine Bildungsoffensive denkbar oder verstärktes Engagement in präventiver Arbeit wie die Umsetzung eines Moduls zur interkulturellen Sensibilisierung in der Trainerausbildung.

Das gesellschaftliche Engagement des Sports und seiner Akteure, seiner Vereine und Verbände ist ohne Alternative, der angestoßene Prozess unumkehrbar und die zunehmende Übernahme von sozialer Verantwortung nicht hintergehbar. Dafür sprechen - und dafür sorgen - schon die vielfältigen Facetten des gesellschaftlichen Wandels, der sich derzeit vollzieht.

Möglichkeiten, wie der Sport dem begegnen könnte, gibt es viele. Zu denken wäre etwa an neue Angebotsstrukturen, die dem demografischen Wandel Rechnung tragen - dies umso mehr, als sich allmählich die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, dass sich dieser nicht erst in ferner Zukunft, sondern bereits gegenwärtig vollzieht und auswirkt. Ebenfalls sinnvoll schiene auch eine verstärkte Zusammenarbeit von Sportvereinen und -verbänden mit kommunalen und staatlichen Stellen. Es kommt darauf an, sozialraumorientiert und lebensweltbezogen Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen oder ins soziale Abseits zu geraten drohen, zu fördern, zu befähigen und zu ermächtigen - damit Handlungsräume eröffnet sowie soziale und kulturelle Armutsbarrieren überwunden werden können, und damit Teilhabe in gesellschaftlich relevanten, subjektiv bedeutsamen Lebensbereichen und Teilsystemen gelingen kann, zu denen selbstverständlich eben auch der Sport gehört.


Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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