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12.4.2011 | Von:
Jürgen Mittag

Sport und Protest

Religiös motivierter Protest

Der Boxer Muhammad Ali gehörte, zunächst noch unter seinem Geburtsnamen Namen Cassius Clay, nach seinem Goldmedaillengewinn bei den Olympischen Spielen 1960 und vor allem nach seinem Wechsel ins Profilager und dem Weltmeistertitel im Schwergewicht 1964 zu den populärsten US-Sportlern überhaupt. Durch seine extravagante Selbstinszenierung und zahlreiche Erfolge schürte er weltweit das Interesse am Boxsport. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als er 1964 zum Islam konvertierte, sich den Namen Muhammad Ali gab und, als er zum Militärdienst in Vietnam einberufen wurde, diesen verweigerte. Als er dann im April 1967 erklärte, dass er als Priester der "Nation of Islam" keinen Militärdienst leisten könne und alle angebotenen Alternativen ablehnte, entzog ihm die New York State Athletic Commission die Boxlizenz, der Weltmeistertitel wurde aberkannt. Ali erhielt eine Haftstrafe auf Bewährung, blieb aber gegen Kaution auf freiem Fuß. In den folgenden Jahren durfte er weder in den USA noch im Ausland boxen.[10]

Erst Ende September 1970 erhielt er die Lizenz zurück, 1971 entschied der Supreme Court, dass Ali aus Gewissensgründen von der Wehrpflicht befreit hätte werden müssen, und hob das Gerichtsurteil auf. Obwohl er seinen Protest nicht bewusst inszenierte, versetzte der Boxer mit der Verweigerung des Kriegsdienstes die USA in Aufruhr. Zeitweilig galt er als Ikone der schwarzen Protestbewegung bzw. des afroamerikanischen Kampfes gegen das weiße Establishment. Ali steht als Sportler damit typologisch als Beleg, dass die Artikulation von Protest im Sport durch den Faktor Prominenz eine enorme Steigerung erfährt.

Eine ganz andere Facette religiös inspirierten Protests zeigte sich in Deutschland im Sommer 2009, als türkische Medien gegen eine auf den Propheten Mohammed Bezug nehmende Passage im Vereinslied von Schalke 04 protestierten.[11] Es wurde gegen "eine Verhöhnung des Propheten Mohammed" protestiert und sogar mit einem Boykott der kommenden Bundesligapartien gedroht. Erst ein islamwissenschaftliches Gutachten, das betonte, dass in dem Lied keine islamfeindliche Gesinnung zum Ausdruck komme, beendete diesen medial inszenierten Protest.

Fußnoten

10.
Vgl. Mike Marqusee, Redemption song. Muhammad Ali and the spirit of the sixties, London-New York 2005.
11.
Anstoß erregte die Passage "Mohammed war ein Prophet/Der vom Fußballspielen nichts versteht/Doch aus all der schönen Farbenpracht/Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht."

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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