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12.4.2011 | Von:
Jörg-Uwe Nieland
Daniela Schaaf

Medienpräsenz von Sportlerinnen - Emanzipation oder Sexualisierung?

Bedingungen für die mediale Präsenz von Sportlerinnen

Für Athleten bieten sich im Gegensatz zu Personen aus anderen gesellschaftlichen Teilbereichen günstige kommunikative Bedingungen. Denn seit Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 hat sich der bereits hohe Stellenwert des Mediensports als publizistischer Inhalt nochmals gesteigert. Sport wird nicht nur umfänglicher als zuvor, sondern auch zunehmend unterhaltend aufbereitet. Sportliche Ereignisse, Handlungen und Personen werden entsprechend kontinuierlich wie seriell thematisiert. Die starke Unterhaltungsorientierung der Massenmedien hat weiterhin zur Folge, dass vor allem Personen in den Vordergrund gestellt werden. Dies sorgt entsprechend für hohe Aufmerksamkeits- und Bekanntheitswerte für Vertreter aus dem Bereich Sport - sofern es sich um männliche Protagonisten handelt.[3] Dagegen lässt sich für Athletinnen eine gleichberechtigte Teilhabe an der Visualisierung ihres sportlichen Erfolgs in der Medienrealität kaum erzielen. Der Sport gilt vielmehr als eines der letzten Refugien männlicher Hegemonie.[4] So sind die Schlüsselpositionen in Sportverbänden, Redaktionen und Unternehmen überwiegend mit Männern besetzt, die damit über einen Großteil der Bedeutungs- und Definitionsmacht verfügen.[5] Sie entscheiden, welche Athlet(inn)en bei internationalen Sportevents antreten, über welche Sportler(inn)en wie berichtet wird und wer letztlich seinen sportlichen Erfolg in der werblichen Anschlusskommunikation kommerzialisieren darf.[6] In diesem Zusammenhang lässt sich in der Sportberichterstattung sowohl quantitativ als auch qualitativ eine Geschlechterordnung beobachten, dass oftmals zu Ungunsten der Athletinnen ausfällt, wie nachfolgend aufgezeigt wird.

Fußnoten

3.
Vgl. Christoph Bertling/Daniela Schaaf, Spitzensportler/innen als Marke - Die Darstellung von Athletinnen und Athleten in der Werbung, in: Ilse Hartmann-Tews/Britt Dahmen (Hrsg.), Sportwissenschaftliche Geschlechterforschung im Spannungsfeld von Theorie, Politik und Praxis, Hamburg 2007, S. 139-149; Thomas Schierl/Christoph Bertling, Personalisierung und Prominenz in der Sportberichterstattung, in: T. Schierl (Anm. 2), S. 155-166.
4.
Vgl. Daniela Schaaf/Jörg-Uwe Nieland, Der widerspenstigen Zähmung. Zur Sexualisierung des Frauenfußballs, in: Das Argument, (2011) 290, S. 61-67. Zum Konzept der hegemonialen Männlichkeit vgl. Robert W. Connell, Gender and Power. Society, the Person and Sexual Politics, Cambridge-Oxford 1987.
5.
In den Präsidien der Spitzenverbände liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen zwischen 10 und 20 Prozent; in den Sportredaktionen beträgt der Anteil von Journalistinnen gerade einmal 8 Prozent; in den Sportsponsoring-Agenturen der werbungtreibenden Unternehmen lässt sich ein Frauenanteil von 20 Prozent unter den Marketingentscheidern ermitteln. Vgl. DOSB (Hrsg.), Sport in Deutschland 2008/09, Frankfurt/M. 2008; Gertrud Pfister, Gender, Sport und Massenmedien, in: Claudia Kugelmann/Gertrud Pfister/Christa Zipprich (Hrsg.), Geschlechterforschung im Sport. Differenz und/oder Gleichheit, St. Augustin-Hamburg 2004, S. 59-88; Daniela Schaaf, Einzelsportlervermarktung im Frauenfußball. Eine Analyse der Selektionskriterien von Massenmedien und Sponsoren im Hinblick auf die FIFA-WM 2011, unveröff. Forschungsbericht, Köln 2010.
6.
Vgl. Johanna Dorer, Mediensport und Geschlecht, in: Medienimpulse, (2007) 62, S. 25-31.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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