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12.4.2011 | Von:
Jörg-Uwe Nieland
Daniela Schaaf

Medienpräsenz von Sportlerinnen - Emanzipation oder Sexualisierung?

Sportlerinnen in den Medien: unterrepräsentiert, trivialisiert, "entsportlicht"

Im Mediensport wird die unterschiedliche Behandlung der Geschlechter und die damit verbundene "differentielle Anerkennung des Leistungssports von Männern und Frauen"[7] besonders deutlich. Zahlreiche empirische Studien verweisen zunächst auf eine deutliche redaktionelle Vernachlässigung von Sportlerinnen. In keinem tagesaktuellem Massenmedium (Print, Fernsehen, Radio) liegt der Anteil von Athletinnen in der Sportberichterstattung über 15 Prozent.[8] Insofern kann von einem geringen Stellenwert von weiblichen Sportprofis als Berichterstattungsobjekte gesprochen werden. Diese geringe Medienpräsenz von Sportlerinnen spiegelt damit in keiner Weise die tatsächliche Partizipation von Frauen im Profisport sowie ihre internationalen Erfolge wider.

Die Sportmedienrealität wird von den männlich dominierten Sportressorts konstruiert und funktioniert insofern nach geschlechterspezifischen Selektionskriterien. Da die Sportberichterstattung zudem überwiegend von Männern rezipiert wird, orientiert sie sich primär an deren Präferenzen. Demzufolge wird vielfach nur über jene Athletinnen berichtet, die traditionelle Weiblichkeitskonzepte aufrecht erhalten.[9] Im Fokus des redaktionellen Interesses sind daher die Vertreterinnen der ästhetisch-kompositorischen Sportarten sowie Individualsportarten, bei denen Eleganz und Anmut scheinbar im Vordergrund der sportlichen Leistung stehen. Der vorherrschende weibliche Stereotyp im Mediensport reflektiert insofern das gesellschaftlich erwartete weibliche Schönheitsideal, das von einer grazilen Schlankheit und heteronormativen sexuellen Ausstrahlung geprägt ist. Daher ist der von Athletinnen repräsentierte Sportartenkanon deutlich begrenzt: Fast zwei Drittel aller in der Tagespresse abgebildeten Fotos von weiblichen Sportprofis zeigen Tennisspielerinnen, die anderen "Frauensportarten" (etwa Eiskunstlauf, Rhythmische Sportgymnastik) sind lediglich mit Anteilen unter sechs Prozent vertreten, während Protagonistinnen aus "Männersportarten" nahezu vollständig aus der Berichterstattung ausgeblendet werden.[10]

Auch lässt sich eine unvorteilhafte Darstellung von Sportlerinnen in Bezug auf die Foto-Berichterstattung in der Tagespresse ausmachen. Untersuchungen ergaben, dass Athletinnen weniger in triumphalen Posen, sondern vielmehr als bescheidene Siegerinnen abgelichtet werden. Zudem erfolgt die visuelle Präsentation von Männern in der Sportpresse häufiger in sportlicher Aktion, also beim Laufen oder Springen, in kämpferischer Auseinandersetzung, während Frauen zwar am Wettkampfort (etwa in gestellten Posen am Spielfeldrand), jedoch nicht bei der eigentlichen Sportausübung gezeigt werden. Stattdessen ist eine Zunahme von Abbildungen im außersportlichen Kontext - etwa im Privatleben in der Rolle als Mutter oder Ehefrau - zu beobachten.[11] Diese redaktionelle Fokussierung auf human-interest-Themen lenken von den sportlichen Aktivitäten der Athletinnen ab, zudem werden ihre Erfolge und Titel marginalisiert. Es entsteht der Eindruck, dass der Frauensport eine wesentlich geringere Bedeutung im professionellen Sport einnimmt.

Diese Annahme wird durch die zahlreichen Trivialisierungen von Sportlerinnen in der medialen Berichterstattung verstärkt. So werden sie wesentlich häufiger als ihre männlichen Kollegen mit verniedlichenden Attributen beschrieben, wie "Turnküken", "Rennmieze" oder "Sportmädel".[12] Auch die distanzlose Nennung der Athletin beim Vornamen oder Spitznamen kann zu einem Prozess der "Entsportlichung" von weiblichen Sportprofis beitragen, da diese aufgrund einer verstärkten trivialisierten Berichterstattung von den Rezipienten nicht mehr als "richtige" Sportlerinnen wahrgenommen werden.[13]

Fußnoten

7.
Ilse Hartmann-Tews/Bettina Rulofs, Sport: Analyse der Mikro- und Makrostrukturen sozialer Ungleichheit, in: Ruth Becker/Beate Kortendiek (Hrsg.), Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie, Wiesbaden 2004, S. 564-569, hier: S. 566.
8.
Vgl. Bettina Rulofs, Konstruktion von Geschlechterdifferenzen in der Sportpresse? - Eine Analyse der Berichterstattung zur Leichtathletik WM 1999, Butzbach-Griedel 2003; I. Hartmann-Tews/B. Rulofs (Anm. 2).
9.
Vgl. Ilse Hartmann-Tews/Bettina Rulofs, Die Konstruktion von Geschlecht im Rahmen der visuellen Sportkommunikation, in: Thomas Schierl (Hrsg.), Die Visualisierung des Sports in den Medien, Köln 2004, S. 111-134.
10.
Vgl. B. Rulofs (Anm. 8), S. 170ff.; I. Hartmann-Tews/B. Rulofs (Anm. 9), S. 116ff.; zur besonderen Rolle von Fußballerinnen: D. Schaaf/J.-U. Nieland (Anm. 4).
11.
Vgl. B. Rulofs (Anm. 8), S. 171f.; I. Hartmann-Tews/B. Rulofs (Anm. 2), S. 144.
12.
Vgl. Margret Duncan/Michael Messner, Gender Stereotyping in televised sports - A follow-up to the 1989 study, Los Angeles 1994; Catriona T. Higgs/Karen H. Weiler, Gender bias and the 1992 summer Olympic Games: An analysis of television coverage, in: Journal of Sports & Social Issues, (1994) 3, S. 234-248; Marie-Luise Klein, Frauensport in der Tagespresse. Eine Untersuchung zur sprachlichen und bildlichen Präsentation von Frauen in der Sportberichterstattung, Bochum 1986; dies./Gertrud Pfister, Goldmädel, Rennmiezen und Turnküken. Die Darstellung der Frau in der Sportberichterstattung der BILD-Zeitung, Berlin 1985.
13.
Vgl. D. Stanley Eitzen/Maxine Baca Zinn, The De-athleticization of Women: The Naming and Gender Marking of Collegiate Sport Teams, in: Sociology of Sport Journal, (1989) 4, S. 362-370.

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