APUZ Dossier Bild

12.4.2011 | Von:
Jörg-Uwe Nieland
Daniela Schaaf

Medienpräsenz von Sportlerinnen - Emanzipation oder Sexualisierung?

Sexualisierung des Mediensports

Seit Mitte der 1980er Jahre lässt sich medienübergreifend verstärkt die visuelle Repräsentationsstrategie der Sexualisierung in der Sportberichterstattung beobachten. Dabei werden Aussehen und attraktive Ausstrahlung der Sportlerinnen zur wichtigsten Bildaussage, ihre Darstellung soll möglichst erotisch sein. Die sportlichen Leistungen oder der errungene Sieg werden so in den Hintergrund gedrängt.[14] Zahlreiche Befunde verweisen darauf, dass einzelne, sexuell konnotierte Körperpartien der Athletinnen in den Mittelpunkt der Fotos gerückt werden, etwa das Gesäß, Beine oder Busen.[15] Zudem werden auch Einblicke auf intime Körperzonen gewährt (etwa unter den Rock einer Tennisspielerin) oder Sportlerinnen bewusst mit einem "Come on"-Blick inszeniert, sodass sie kaum noch als sportliches Vorbild, sondern als erotische Objekte männlichen Begehrens dienen.[16]

Damit werden entsprechende Ästhetisierungen sowohl von den Medien vorgenommen, die eventuell nicht erotisch intendierte Bewegungen und Positionen aus ihrem Kontext herauslösen und in einen neuen, nun sexuell anmutenden Zusammenhang stellen, als auch von den Sportlerinnen selbst, indem sie sich qua Bekleidung oder gezielt in einem Männermagazin erotisch positionieren lassen.[17] Der Trend zur medialen Sexualisierung des Sportlerinnenkörpers ist jedoch kein neues Phänomen. Internationale Studien im Längsschnittsdesign zeigen, dass Athletinnen auch im Zeitverlauf kontinuierlich häufiger in erotischen Kontexten inszeniert werden und die Motive teilweise sogar Ähnlichkeiten mit Softpornos aufweisen.[18]

Fußnoten

14.
Vgl. Daniela Schaaf/Jörg-Uwe Nieland (Hrsg.), Die Sexualisierung des Sports in den Medien, Köln 2011 (i.E.).
15.
Vgl. I. Hartmann-Tews/B. Rulofs (Anm. 9); Sylvia Nagel, Erotik als Vermarktungsinstrument, in: Georg Anders/Elisabeth Braun-Laufer (Hrsg.), Sportlerinnen in den Medien. Möglichkeiten und Grenzen, Köln 1999, S. 33-39; C.T. Higgs/K. H. Weiler (Anm. 12); Margret Duncan, Sports Photographs and Sexual Difference: Images of Women and Men in the 1984 and 1988 Olympic Games, in: Sociology of Sport Journal, (1990) 7, S. 22-43; M.-L. Klein (Anm. 12).
16.
Vgl. M. Duncan (Anm. 15); I. Hartmann-Tews/B. Rulofs (Anm. 2).
17.
Vgl. Thomas Schierl, Ästhetisierung als produktpolitisches Instrument medial vermittelten Sports, in: ders. (Anm. 9), S. 135-163.
18.
Vgl. Michael Messner/Margret Duncan/Cheryl Cooky, Silence, sports, bras, and wrestling porn - Women in televised sports news and highlights shows, in: Journal of Sport & Social Issues, (2003) 3, S. 38-51; M. Duncan/M. Messer (Anm. 12).

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