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12.4.2011 | Von:
Simone Wörner
Nina Holsten

Frauenfußball - zurück aus dem Abseits

Spielbetrieb und Professionalisierung

Nach der Einführung des Frauenfußballs sorgte der DFB rasch für einen geordneten Spielbetrieb: Bereits 1972 verzeichnete der Verband 111579 weibliche Mitglieder und 1788 Frauenteams. 1974 wurde die TuS Wörrstadt erster Deutscher Meister. Im selben Jahr schoss mit Bärbel Wohlleben erstmals eine Frau das von den Zuschauern der "Sportschau" gewählte "Tor des Monats". 1981 gewann die SSG Bergisch-Gladbach das Endspiel um den neu eingeführten DFB-Pokal der Frauen. Die Einführung der Bundesliga in der Saison 1990/1991 verlieh dem Frauenfußball einen weiteren Schub.

1981 bekam der DFB eine Einladung zur inoffiziellen Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Taiwan. In Ermangelung einer Nationalmannschaft traten kurzerhand die Deutschen Meisterinnen der SSG Bergisch-Gladbach an, die das Turnier prompt gewannen. Dieser Erfolg bewog den DFB, eine offizielle Nationalmannschaft zu etablieren, die am 10. November 1982 ihr erstes Spiel gegen die Schweiz bestritt. Es folgte ein rascher Aufstieg in die Weltspitze, 1989 schließlich der erste Europameisterschaftstitel.

Trotz oder möglicherweise wegen des frühen Erfolgs wurde die Nationalmannschaft in den 1980er und teilweise in den 1990er Jahren in der öffentlichen Beurteilung einem stetigen, entwertenden Vergleich mit dem Männerfußball unterzogen. Ein Vergleich, der zwangsläufig hinkt, da Frauenfußball in den 1970er Jahren gerade als eigene Sportart etabliert werden sollte. Thesen wie die, dass die Frauennationalmannschaft gegen eine männliche B-Jugend verlieren würde, zeugen von dem Versuch, den Frauenfußball klein zu halten. Auch konnte der Frauenfußball im Alltagsbetrieb bislang nicht aus seinem (gemessen am Männerfußball) medialen Schattendasein heraustreten. Seit den 1990er Jahren werden die Erfolge zwar gewürdigt, sind jedoch nach wie vor Randspaltenthema. Größeres Medieninteresse bleibt internationalen Turnieren vorbehalten. Ebenso sind die Spielerinnen über ihren Sport hinaus kaum präsent und können vom Profifußball bis heute nur träumen. Die Zuschauerzahlen auf den Bundesligaplätzen gehen selten über eine dreistellige Zahl hinaus.


Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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