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12.4.2011 | Von:
Simone Wörner
Nina Holsten

Frauenfußball - zurück aus dem Abseits

Spielstand 2011

In Sachen Frauenfußball hat sich der DFB eindeutig "vom Old Boys Network und Männerreservat zum Modernisierer"[32] gewandelt, der sich dessen Förderung seit den 1980er Jahren in zahlreichen Programmen wie der aktuellen Kampagne "Team 2011" auf die Fahnen geschrieben hat. Bereits 2010 hatte der DFB mehr als eine Million weibliche Mitglieder, die in 14000 Frauen- und Mädchenmannschaften spielten.

Wird nun die Frage nach Rückeroberung oder Emanzipation gestellt, so wird deutlich, dass Frauenfußball keinesfalls ein "postfeministisches Phänomen" ist, das eng mit den emanzipatorischen Fortschritten der Frauenbewegung der vergangenen 40 Jahre verknüpft ist, da er eine weit längere Tradition besitzt.[33] Rückeroberung trifft den Kern aber auch nur teilweise, denn der Frauenfußball hat einen neuen, vom Männerfußball unterschiedlichen Weg beschritten.

Was die Motivation der Akteurinnen selbst angeht, dürfte es sich um eine Gemengelage handeln, die diesen Sport so befördert hat. Von den Vorreiterinnen selbst, den Spielerinnen der 1950er und 1970er Jahre ebenso wie den aktuellen Sportlerinnen, wird das Fußballspiel selten als bewusster emanzipatorischer Akt, sondern eher als Teil eines emanzipierten Selbstverständnisses genannt. Gleichwohl ging und geht es immer auch um das Recht auf selbstverständliche Teilhabe an einem selbst gewählten Sport. "Ich habe aus Begeisterung, mit dem Ball umzugehen, mit dem Fußballspielen angefangen. Emanzipation war für mich nie ein Thema, es ging mir um rein sportliche Gründe", sagte Bärbel Wohlleben, die 1974 das "Tor des Monats" September erzielte, kürzlich in einem Interview.[34]

Fußnoten

32.
Eike Emrich, Fußball und Modernisierung. Präsentation auf dem DFB-Frauen- und Mädchenfußball-Kongress 2010, online: www.dfb.de/uploads/media/PROF_EMRICH _1.pdf (11.3.2011).
33.
Vgl. Gertrud Pfister, Sport im Lebenszusammenhang von Frauen, Schorndorf 1999, S. 262
34.
Zit. nach: Anne Schmidt, 1970: Aufbruchstimmung im Frauenfußball. Eine empirische Untersuchung zur Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der TuS Wörrstadt, unveröff. Staatsexamensarbeit, Mainz 2010 , S. 99.

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Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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