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7.2.2011 | Von:
Scott Stock Gissendanner

Kommunale Integrationspolitik

Zukunftsaussichten für eine kooperative Integrationspolitik

Wer über die Zukunft der Integrationspolitik spekuliert, sollte in Betracht ziehen, dass sich kommunale Integrationspolitik in der Bundesrepublik bislang weitgehend ohne die Art von ethnischer Mobilisierung entwickelt hat, wie sie im 19. Jahrhundert in den Einwanderungszentren der USA oder in jüngerer Vergangenheit in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien zu beobachten war. Bisher war die Politik der Einwandererintegration in der Bundesrepublik immer stärker von der Logik effektiver Verwaltung als von politischer Wiederwahllogik beeinflusst. Wenn dieser Trend nicht durchbrochen wird, dann wird die wichtigste Quelle künftiger Ausdifferenzierungen der Integrationspolitik in der Spannung zwischen Anhängern einer Politik des "Forderns und Förderns", die Immigranten in die Rolle von passiven Leistungsempfängern und Steuerungsobjekten verweist, und den Befürwortern partizipatorischer Ansätze liegen.

Zudem sind MSO in den meisten Städten trotz ihres jüngsten Wachstums organisatorisch noch zu schwach, um partizipatorische Funktionen zu erfüllen, die mehr als einen minimalen Ressourcenaufwand erfordern.[24] Aufgrund ihres Bedarfs an interaktiver Kooperation werden öffentliche Behörden auch weiterhin MSO unterstützen und Immigranten direkt als Helfer rekrutieren. Einige Bundesländer bilden zum Beispiel Immigranten für die Übernahme von "Lotsenfunktionen" aus. [25]

Vor allem aber wird die Zukunft von partizipatorischen Mechanismen von den Angeboten organisatorisch starker MSO abhängen, und damit davon, welche Entscheidungen in den nächsten Jahren die jungen, talentierten und in Deutschland sozialisierten Frauen und Männer mit Migrationshintergrund hinsichtlich ihrer eigenen Karrieren treffen werden. Viele der Begabtesten entscheiden sich heute, Deutschland zu verlassen, oder sie steigen in die Chefetagen "deutscher" Organisationen auf. Berichterstattungen über türkischstämmige Akademiker, die in den Landesverbänden der Volksparteien Führungspositionen übernommen haben oder nach erfolgreichem Studium auswandern, sind zahlreich.[26] Der persönliche Erfolg dieser Einwandererminderheit ist zwar ein Indikator für die integrative Kraft deutscher Institutionen, aber er bedeutet zugleich einen Schwund an möglichen Führungskräften, welche in MSO "zurückbleiben", um mit den Kommunen die Belange der örtlichen Gemeinschaft kooperativ zu regeln.

Fußnoten

24.
So müsste man aus der Studie von Jürgen Fijakowski/Helmut Gillmeister, Ausländervereine. Ein Forschungsbericht, Berlin 1997, schlussfolgern. Neuere empirische Studien geben noch keinen Anlass, diese Vermutung zu revidieren.
25.
Vgl. Susanne Huth, Expertise Integrationslotsen. Modelle von Engagement und Integration, Frankfurt/M. 2007.
26.
Vgl. Michael Sontheimer, Jung, gut und unerwünscht, in: Der Spiegel Nr. 21 vom 19.5.2008, online: www.spiegel.de/spiegel/print/d-57038066.html (4.1.2011).

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