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21.1.2011 | Von:
Valur Ingimundarson

Die Kartierung der Arktis: Bodenschätze, Großmachtpolitik und multilaterale Governance

In vielen arktischen Gebieten wird es noch Jahrzehnte dauern, ehe eine Öl- und Gasförderung tatsächlich möglich sein wird. Dies hat die meisten Arktis-Anrainer jedoch nicht davon abgehalten, Gebietsansprüche anzumelden.

Einleitung

Das gegenwärtige geopolitische Interesse an der Arktis hat verschiedene Gründe. Infolge des Klimawandels wird angenommen, dass die Region innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre im Sommer eisfrei sein wird. Dies eröffnet neue wirtschaftliche Perspektiven, denn zum einen öffnen sich neue Seewege, die Atlantik, Arktis und Pazifik verbinden, zum anderen verknüpft sich damit die Hoffnung, dass große Vorkommen an Bodenschätzen erreichbar werden. In Bezug auf die Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen sowie die Aufteilung des arktischen Festlandsockels gibt es jedoch zahlreiche offene Fragen. Politische Rhetorik und Propagandaaktionen (wie beispielsweise das Befestigen der russischen Flagge auf dem Meeresgrund des Nordpols 2007) haben zusätzlich dafür gesorgt, dass die Region konstant im Fokus geblieben ist. Dieser Artikel befasst sich mit der geopolitischen Bedeutung der arktischen Bodenschätze sowie den sich daraus ableitenden rechtlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Drei Thesen stehen dabei im Mittelpunkt:

Erstens: Dem Abbau von arktischem Öl und Gas stehen ernstzunehmende Schwierigkeiten entgegen - das unwirtliche Klima, die große Entfernung von den Absatzmärkten, die Existenz von Ölvorkommen in anderen Regionen sowie der schwierige Abbau von Schiefergas. Zweitens: Es herrscht beträchtliche Unsicherheit bezüglich der governance der Arktis, da es Körperschaften wie der Festlandsockelkommission (Commission on the Limits of the Continental Shelf) der Vereinten Nationen (UN) und dem Arktischen Rat an multilateraler Autorität mangelt. So ergibt sich die Frage, ob die Treffen der Arctic Five, der fünf Arktis-Anrainerstaaten Kanada, Russland, USA, Norwegen und Dänemark (Grönland), zur Einrichtung eines beschlussfassenden Organs führen werden. Drittens: Momentan halten sich die Staaten, die Gebietsansprüche anmelden, zwar an internationale Normen und kooperieren miteinander, aber längerfristig wird sich das Risiko eines geopolitischen Konflikts verstärken. Und das nicht nur, weil sich der Druck von externen Akteuren in Richtung Internationalisierung der Arktis erhöhen wird, sondern auch wegen möglicher Auseinandersetzungen der Arktis-Staaten über Gebietsrechte und Bodenschätze.