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10.1.2011 | Von:
Uwe Hasebrink
Claudia Lampert

Kinder und Jugendliche im Web 2.0 - Befunde, Chancen und Risiken

Medienumgebungen Jugendlicher

Die Medienumgebungen Jugendlicher haben sich in nur wenigen Jahren gravierend geändert. Der aktuellen "JIM-Studie" zufolge gibt es in den Haushalten aller befragten 12- bis 19-Jährigen mindestens ein Handy sowie einen Computer. 98 Prozent der Haushalte sind mit Internetzugang ausgestattet. So gut wie alle Jugendlichen (97%) verfügen über ein eigenes Handy, 79 Prozent über einen eigenen Computer oder Laptop. Bereits gut die Hälfte (52%) kann einen Internetzugang im eigenen Zimmer nutzen. Neben der Verlagerung der Mediennutzung ins eigene Zimmer - 58 Prozent der Jugendlichen haben dort auch einen eigenen Fernseher - ist auch eine verstärkte Mobilisierung der Mediennutzung zu beobachten, die sich in der Omnipräsenz des Handys, bei mittlerweile 14 Prozent der Jugendlichen auch in der Nutzung von Smartphones äußert, mit denen sie zu jeder Zeit und an jedem Ort das Internet nutzen können.

Das Internet ist in der Lebenswelt vieler Heranwachsender inzwischen von zentralem Stellenwert. Das Einstiegsalter der Nutzung sinkt dabei beständig ab. Laut "EU Kids Online" beginnen deutsche Kinder durchschnittlich mit knapp neun Jahren, das Internet zu nutzen; dies entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt, in Schweden liegt das durchschnittliche Eintrittsalter bei sieben Jahren.

Der "JIM-Studie" zufolge sind von den 12- bis 19-Jährigen in Deutschland bereits 91 Prozent täglich bzw. mehrmals pro Woche online. Im Durchschnitt beträgt die Dauer der Internetnutzung in dieser Altersgruppe 138 Minuten pro Tag - eine Viertelstunde mehr als die Dauer der Fernsehnutzung mit 123 Minuten. "EU Kids Online" dokumentiert für die Altersgruppe der 9- bis 16-Jährigen, dass die Häufigkeit und Dauer der Internetnutzung im europäischen Vergleich in Deutschland leicht unterdurchschnittlich ist.

Angesichts der Vielfalt der möglichen Anwendungen, die im Internet genutzt werden können, sind Angaben, die sich auf die Internetnutzung im Allgemeinen beziehen, kaum mehr aussagekräftig. In seiner kurzen Geschichte hat das Internet bereits einen markanten Wandel hinter sich: Standen zunächst vor allem informierende Funktionen im Vordergrund, sind mittlerweile unterhaltende und vor allem kommunikative Funktionen in den Vordergrund getreten. 2010 entfielen laut "JIM-Studie" 46 Prozent der Internetnutzung der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland auf Kommunikation, 23 Prozent auf Unterhaltung (Musik, Videos, Bilder), 17 Prozent auf Spiele und 14 Prozent auf Information. Mit zunehmendem Alter differenziert sich das Spektrum der Onlinenutzung aus. Während bei den Jüngeren noch die Informationssuche (für schulbezogene Themen oder Hobbys) und Spiele im Vordergrund stehen, gewinnen mit steigendem Alter insbesondere die kommunikativen Möglichkeiten des Internets - und insbesondere die Nutzung von social networking sites - an Bedeutung. 2010 waren bei einem Drittel der 12- bis 19-Jährigen "SchülerVZ" und bei weiteren 19 Prozent "Facebook" die meistgenutzten Netzwerkplattformen.

Bemerkenswert war dabei der sehr rasche Aufstieg von "Facebook" in den Jahren 2009 und 2010, nachdem diese Plattform noch im Jahr 2008 so gut wie keine Rolle gespielt hatte.[2] Die beträchtliche Präsenz von "Facebook" kommt auch in "EU Kids Online" zum Ausdruck: In den 25 berücksichtigten europäischen Ländern bezeichnen 57 Prozent der 9- bis 16-Jährigen, die soziale Netzwerkplattformen nutzen, "Facebook" als ihr meistgenutztes Angebot. Nur in wenigen Staaten, darunter Deutschland mit "SchülerVZ", haben sich nationale Plattformen etabliert, die bei der Nutzung im Vordergrund stehen. In den meisten Ländern aber dominiert das US-amerikanische Netzwerk, so in Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien und Tschechien, wo jeweils mehr als 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen "Facebook" als meistgenutzte Plattform angeben.

Darüber hinaus lässt sich beobachten, dass aktiv-produzierende Nutzungsformen des Internets deutlich seltener vorkommen als passiv-rezipierende: So wird zwar oft in der "Wikipedia" gelesen, aber selten geschrieben; auf Musik- und Videoplattformen werden Musikstücke und Videos häufig rezipiert, aber nur selten hochgeladen.[3] Im Hinblick auf die Geschlechter ist bemerkenswert, dass es kaum nennenswerte Unterschiede in der Onlinenutzung gibt; lediglich Spiele und Internettelefonie werden stärker von Jungen genutzt.

Dass für Jugendliche das Internet vor allem durch social-web-Angebote geprägt ist, kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass auf die Frage nach den Lieblingsseiten im Internet überwiegend Angebote genannt werden, die diesem Bereich zugeordnet werden können. 2008 waren "Youtube", "SchülerVZ" und "StudiVZ" unter 12- bis 24-Jährigen die meistgenannten Lieblingsseiten (neben "Google").[4] In einer neueren Erhebung von 2010, in der 6- bis 16-Jährige nach ihrer Lieblingsseite gefragt wurden, zeigte sich, dass im Grundschulalter Spieleplattformen, die Seiten der Fernsehsender KiKa und Super RTL sowie bereits "YouTube" im Vordergrund stehen.[5] Bei älteren Kindern gewinnen dann wie in der erstgenannten Erhebung die sozialen Netzwerkplattformen an Bedeutung.

Fußnoten

2.
Vgl. Uwe Hasebrink/Wiebke Rohde, Die Social Web-Nutzung Jugendlicher und junger Erwachsener: Nutzungsmuster, Vorlieben und Einstellungen, in: J.-H. Schmidt/I. Paus-Hasebrink/U. Hasebrink (Anm. 1), S. 83-119.
3.
Vgl. ebd.; JIM-Studie 2010 (Anm. 1).
4.
Vgl. U. Hasebrink/W. Rohde (Anm. 2).
5.
Vgl. Silke Schneider/Stefan Warth, Kinder und Jugendliche im Internet, in: Media Perspektiven, (2010) 10, S. 471-482.