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12.12.2011 | Von:
Andrew B. Denison

Zwischen Wyoming und Washington: Die Republikaner 2012

Kandidatenpalette

Auch wenn Ideologie und Organisation zu 100 Prozent "richtig" sind, ist eine Wahlniederlage nie auszuschließen. Denn es sind die Kandidaten, die letztendlich entscheidend sind. Sie müssen Autorität und Intelligenz ausstrahlen, aber auch freundlich, verständlich und menschlich sein. Am Ende, so heißt es, gewinnt derjenige, mit dem man am liebsten ein Bier trinken gehen würde. Republikaner schicken Kandidaten auf allen Ebenen ins Rennen. Hauptaugenmerk gilt aber der Präsidentschaftswahl. Hier hat sich eine bunte Kandidatenpalette herauskristallisiert. Außenseiter und Wahlkampfveteranen, Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Gouverneure, Legislatoren, Geschäftsmänner, Favoriten und Aufsteiger - und zwei Mormonen. Keiner der Anwärter hat aber in der ersten Phase mehr als 20 bis 25 Prozent der Wähler hinter sich bringen können. Alles deutet darauf hin, dass dieses Patt die ersten Vorwahlen überdauern könnte (Iowa 3. Januar, New Hampshire 10. Januar 2012). Selbst nach dem Super Tuesday am 6. März 2012, an dem in Wyoming und zwölf anderen Staaten Vorwahlen stattfinden, könnte Obama noch nicht wissen, wer gegen ihn antreten wird.

Mitt Romney steht Anfang Dezember 2011 zwar als leichter Favorit da, hat seine Unterstützung aber nicht eindeutig ausbauen können. Schon lange für den Kronprinzen gehalten, kandidierte er schon 2008 für die republikanische Nomination. Schwergewichte der Partei haben sich hinter ihn gestellt, sein Stab ist größer und besser organisiert als die der anderen. Er hat eine Art Schattenkabinett und schon jede Menge Positionspapiere vorgelegt. Sein Auftreten ist glänzend, er macht selten Fehler. Dafür ist er etwas langweilig; zudem wird ihm vorgeworfen, er ändere seine Meinung zu oft, schaue nur auf die politische Windrichtung. Seine Regierungserfahrung als Gouverneur von Massachusetts wird zweischneidig bewertet. Bei manchen überzeugten Republikanern erweckt er Misstrauen. Dass er in seinem Bundesstaat eine Gesundheitsreform durchgesetzt hat, die Obamas nicht unähnlich ist, hilft ihm in den Vorwahlen nicht. Andererseits könnte Romney dadurch, dass er in seinen Zielsetzungen dem Präsidenten noch am ähnlichsten ist, die Stimmen vieler independents gewinnen.

Michele Bachmann aus Minnesota ist unter den Kandidaten am ehesten die Fahnenträgerin der Sozialkonservativen. Gut im Wortgefecht und im Repräsentantenhaus Mitglied des wichtigen Intelligence Committee hat sie auch die Unterstützung vieler Tea-Party-Anhänger. Als Frau könnte sie den Demokraten vor allem wichtige weibliche Wählerschaften streitig machen.

Jon Huntsman ist die weniger bekannte, weniger vernetzte Version von Mitt Romney. Er war Gouverneur von Utah und dann bis vor kurzem Obamas Botschafter in Peking. Wie Mitt Romney ist er Mormone. Seine wortgewandte Intelligenz und seine Erfahrung im Ausland machen ihn bei den gemäßigteren Republikanern zu einer echten Alternative.

Newt Gingrich, dramatisch und intelligent, ist vor allem dafür bekannt, 1994 das Repräsentantenhaus für die Republikaner zurückgewonnen zu haben, um dann dort bis 1999 als Mehrheitsführer zu amtieren. Er ist sowohl bei der Parteibasis als auch unter den independents beliebt. Inzwischen erntet er auch Respekt für seine oft innovativen, vorwärtsdenkenden, teilweise radikalen politischen Ideen. Seine Schwäche ist jedoch sein Charakter, vor allem die Geschichte, er habe seine sterbende Frau betrogen. Er ist interessant, kann Schlagzeilen machen, ist aber letztendlich sehr umstritten.

Rick Perry, acht Jahre lang Gouverneur in Texas, war kurz nach der Ankündigung seiner Kandidatur für viele Republikaner der große Hoffnungsträger. Aber sein schlechtes Auftreten bei den Fernsehduellen hat ihn einiges an Unterstützung gekostet. Obwohl er als harter Konservativer auftritt, wird ihm unter anderem von Mitt Romney häufig vorgeworfen, er habe es "illegalen Einwanderern" in Texas zu einfach gemacht.

Rick Santorum, der einzige Senator im Kandidatenkreis, ist ein Außenseiter ohne herausragende Eigenschaften. Ebenfalls nur Außenseiterchancen hat der texanische Kongressabgeordnete Ron Paul, der bereits 2008 versuchte, seine libertären, isolationistischen Positionen unter Republikanern hoffähig zu machen. Obwohl er sich in den Fernsehduellen gut schlägt, hat er es schwer, über 15 Prozent Unterstützung hinauszukommen.

Der charismatische schwarze Geschäftsmann Herman Cain ist Anfang Dezember 2011 aus dem Rennen ausgestiegen. Er war der Kandidat, der sich am besten gegen Washington, wenn nicht gegen die etablierte Politik insgesamt profilieren konnte. Seine Unerfahrenheit war seine Schwäche und Stärke zugleich. Doch letztlich waren es nicht komplexe politische Fragen, bei denen er gelegentlich ins Schwanken kam, die seine Kampagne zum Stillstand brachten, sondern Vorwürfe, er habe sich der sexuellen Belästigung schuldig gemacht.