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12.12.2011 | Von:
Andrew B. Denison

Zwischen Wyoming und Washington: Die Republikaner 2012

Blick in die Zukunft

Ein alter Spruch lautet: Ein Präsident wird nicht gewählt, sondern abgewählt. Sei der Frust mit dem Amtsinhaber groß genug, sei fast egal, wer gegen ihn kandidiert. Der Frust mit Obama ist eindeutig hoch (mit 49 Prozent der Amerikaner gegen und 43 Prozent für ihn, laut Gallup). Die Arbeitslosigkeit, besonders unter der Jugend, ist sehr hoch, die Staatsschulden steigen. Die miserable Lage der Wirtschaft erhöht sicherlich die Siegchancen der Republikaner. Gegen sie spricht allerdings die demografische Entwicklung:[6] Die wichtigsten Wählerschaften der Demokraten - unter anderem die millennial generation der 18 bis 34-Jährigen, die Minderheiten und die alleinstehenden Frauen - haben seit 2008 alle ihren Anteil an der Bevölkerung überdurchschnittlich gesteigert. Unter diesen Umständen sind die Republikaner die "Partei der weißen Männer" geblieben, vor allem derjenigen ohne College-Abschluss, und der Senioren, die sich allerdings bei zu starken Kürzungen von Medicare und Social Security (Kranken- bzw. Rentenversicherung) den Demokraten zuwenden könnten.

Wollen Republikaner unter Jugendlichen an Einfluss gewinnen, müssen sie sich von ihrer sozialkonservativen Einstellung verabschieden; wollen sie mehr Einfluss unter Minderheiten haben, müssen sie eine offenere Einwanderungspolitik wagen; wollen sie ihren Einfluss unter Senioren halten, müssen sie bereit sein, Medicare und Social Security bezahlbar zu machen; wollen sie Einfluss unter den Vorortbewohnern mit College-Abschluss bekommen, müssen sie dazu bereit sein, Bildungspolitik zu fördern und die Superreichen stärker zu versteuern. Die Zukunft der Republikaner entscheidet sich somit in einem Spannungsfeld aus schwierigem Wandel und schrumpfenden Wählerschaften - denn anders als früher sieht Amerika immer weniger wie Wyoming aus.

Fußnoten

6.
Vgl. Center for American Progress, The Path to 270. Demographics Versus Economics in the 2012 Election, 22.11.2011, online: www.americanprogress.org (26.11.2011).