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12.12.2011 | Von:
Henrik Gast
Alexander Kühne

Zwischen Marktradikalität und sozialer Missgunst:Die Tea Party und ihre Anhänger

Profil der Tea-Party-Anhänger

Eine seit April 2010 fortlaufende Erhebung der "New York Times" und CBS News (National Survey of Tea Party Supporters, NSTP) zeigt, dass die Tea Party nennenswerte Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt.[10] Im Durchschnitt stuften sich bis zum Juli 2011 rund 23 Prozent der Bürger als Unterstützer ein. Allerdings ist dieser Wert allein im August 2011 um acht Prozentpunkte gefallen, was durchaus auf das kompromisslose Auftreten der Tea-Party-Vertreter während der Verhandlungen um die Anhebung der Schuldengrenze zurückzuführen ist.[11] Innerhalb des Lagers der Anhänger ist zwischen passiven und aktiven Mitgliedern zu unterscheiden: Nur ungefähr 20 Prozent der Unterstützer oder vier Prozent aller Amerikaner haben schon einmal Geld für die Tea Party gespendet oder an einem Treffen teilgenommen. Der Anteil der Aktiven fällt somit - und das ist typisch für soziale Bewegungen und Parteien - deutlich geringer aus. Wie unterscheiden sich nun die Tea-Party-Anhänger von der übrigen Bevölkerung? Wie sind ihre Motive zu charakterisieren?

Die Tea Party reklamiert zwar, dass sie eine überparteiliche Bewegung sei, die sowohl gegenüber den Demokraten als auch den Republikanern eine kritische Distanz wahrt. Ein Blick auf das Profil der Anhänger zeigt aber, dass ihre Anhänger keineswegs politische Neutren sind, sondern überwiegend der Republikanischen Partei zuneigen. Nach den Umfragen des Instituts Greenberg Quinlan Rosner trifft dies für 86 Prozent der Tea-Party-Anhänger zu.[12] 79 Prozent stufen sich selbst als Konservative ein. Hinsichtlich des demografischen Profils ist anzumerken, dass die Tea-Party-Anhänger deutlich älter als die Gesamtbevölkerung, zumeist Männer (59 Prozent) und überwiegend weiß sind (89 Prozent). Nur ein Prozent sind Afroamerikaner.[13]

Ferner ist charakteristisch, dass sie religiöser sind als der Durchschnitt: Während 27 Prozent der Gesamtbevölkerung angeben, einmal in der Woche den Gottesdienst zu besuchen, liegt der Anteil bei den Tea-Party-Vertretern mit 38 Prozent deutlich höher.[14] Politische Beobachter machen aus, dass die Religion zumindest bei der Basis der Tea Party eine wesentlich größere Rolle spielt, als die führenden Akteure dies glauben machen wollen. Innerhalb der Tea Party manifestiert sich nicht nur die Strömung des marktliberalen, sondern auch die des christlichen Konservativismus. Letztere ist hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen: Die Politikwissenschaftler David E. Campbell und Robert D. Putnam haben beginnend mit dem Jahr 2006 über 3000 US-Amerikaner interviewt und ihre Entwicklung mit wiederholten Befragungen nachvollzogen.[15] Anhand dieser Panelstudie zeigt sich, dass die Religiosität der Befragten ausschlaggebend für eine spätere positive Haltung gegenüber der Tea Party war. Aus den Umfragedaten des NSTP ergibt sich ein weiterer interessanter Befund: Der Erfolg der Tea Party lässt sich nicht allein durch wirtschaftliche Abstiegsängste erklären. Die Anhänger unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht signifikant vom Rest der Bevölkerung.

Fußnoten

10.
Vgl. The New York Times/CBS News (eds.), National Survey of Tea Party Supporters (NSTP), April 5-12, 2010, online: http://s3.amazonaws.com/nytdocs/docs/
312/312.pdf (21.11.2011), Zusammenfassung unter: www.cbsnews.com/htdocs/pdf/poll_tea_party_
041410.pdf (21.11.2011). Sofern nicht anders angegeben, stammen die zitierten Daten aus dem NSTP, für den 1580 Erwachsene telefonisch befragt wurden.
11.
Vgl. NSTP, August 2-3, 2011, online: www.nytimes.com/interactive/2011/08/05/
us/politics/20110805_Poll-docs.html?ref=politics (27.11.2011), S.10.
12.
Vgl. Stanley B. Greenberg et al., Special Report on the Tea Party Movement, hrsg. von Greenberg Quinlan Rosner Research, Democracy Corps, 19.7.2010, online: www.democracycorps.com/wp-content/files/Tea-Party-Report-FINAL.pdf (31.8.2011).
13.
Vgl. NSTP (Anm. 10), S. 41.
14.
Vgl. ebd., S. 39.
15.
Vgl. David E. Campbell/Robert D. Putnam, Crashing the Tea Party, in: The New York Times vom 17.8.2011, S. 23.