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24.11.2011 | Von:
Wenke Apt

Herausforderungen für die Personalgewinnung der Bundeswehr

Personalbedarf der Streitkräfte

Im Jahr 2010 beschäftigte die Bundeswehr 234650 Soldaten: 188850 Berufs- und Zeitsoldaten, 23500 Grundwehrdienstleistende (GWDL) und 22200 freiwillig länger Wehrdienst Leistende (FWDL). Der strukturell bedingte Ergänzungsbedarf lag jährlich bei rund 25000 Soldaten auf Zeit. Rund ein Drittel davon wurde durch Erstverpflichtungen in der Truppe gedeckt, der Rest durch externe Nachwuchsgewinnung. Im Zuge der Strukturreform der Bundeswehr wurde die Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 ausgesetzt und die Gesamtstärke auf 210550 Soldaten reduziert. Als Freiwilligenarmee stellt die Bundeswehr nun 188000 Berufs- und Zeitsoldaten und 22550 FWDL.[3] Der jährliche Ergänzungsbedarf ist entsprechend auf 18400 Soldaten auf Zeit und 4000 FWDL gesunken.[4] Für die nächsten Jahre sind weitere Umfangsreduzierungen geplant. Die im Rahmen der Strukturreform festgelegte Sollstruktur sieht einen Gesamtumfang von 170000 Berufs- und Zeitsoldaten exklusive einem Anteil von 5000 bis 15000 FWDL vor. Der Ergänzungsbedarf wird damit weiter zurückgehen.[5]

Die Herausforderung der Personalgewinnung bleibt jedoch bestehen. Hauptzielgruppe der Bundeswehr sind ungediente Frauen und Männer mit deutscher Staatsbürgerschaft zwischen 17 und 24 Jahren, die sich in der Orientierungsphase für Ausbildung und Beruf befinden. Dabei wird verstärkt gut ausgebildetes und technisch versiertes Personal mit einer hohen physischen und psychischen Belastbarkeit nachgefragt. Im Bericht des Generalinspekteurs wurde das soldatische Anforderungsprofil zuletzt umfassend umrissen. Demnach werden hervorragend qualifizierte und motivierte Soldaten mit einem hohen Maß an Sozialkompetenz, Führungsstärke und Flexibilität benötigt, die in einem komplexen Umfeld, schnell, vorausschauend und mit der nötigen Umsicht agieren können. Die Soldaten sollten in der Lage sein, den politischen und kulturellen Kontext ihres Einsatzes zu verstehen, ihr Handeln entsprechend anzupassen und auch dem Druck standzuhalten, in kürzester Zeit Entscheidungen treffen zu müssen, die zum Teil von großer persönlicher, militärischer oder politischer Tragweite sind.[6] Da eher junge Soldaten die Hauptlast militärischer Einsätze tragen, sind insbesondere die direkt am Kampf beteiligten Einheiten auf einen kontinuierlichen Nachschub junger, leistungsfähiger und vielseitiger Soldaten angewiesen.

Fußnoten

3.
Bundesministerium der Verteidigung, Antwort auf persönliche Anfrage bei Personal-, Sozial- und Zentralabteilung am 29. September 2011.
4.
Bundesministerium der Verteidigung, Antwort auf persönliche Anfrage bei Personal-, Sozial- und Zentralabteilung am 15. November 2011 (Stand November 2011).
5.
Der zukünftige Ergänzungsbedarf ergibt sich aus der laufenden Feinausplanung der neuen Personalstruktur und liegt erst mit dem neuen Personalstrukturmodell im Jahr 2012 vor.
6.
Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (Anm. 1), S. 15.