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24.11.2011 | Von:
Wenke Apt

Herausforderungen für die Personalgewinnung der Bundeswehr

Bildung

Infolge des wirtschaftlichen Strukturwandels, des technologischen Fortschritts und des gesellschaftlichen Wandels zur tertiären Wissensgesellschaft vollzog sich in Deutschland ab den 1970er Jahren ein Trend zur Höherqualifizierung.[7] Seit Anfang der 1990er Jahre ist jedoch eine weitgehende Bildungsstagnation zu beobachten.[8] Diese äußert sich in begrenzten Fortschritten bei der Verbesserung der Schülerkompetenzen in den Schlüsselbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, einer wachsenden Kluft zwischen den Leistungsschwächsten und -stärksten, einer mangelnden Bildungsintegration von Schülern mit Migrationshintergrund sowie einer anhaltend hohen Schulabbrecher-Quote.[9] Gleichzeitig kam es in den vergangenen Jahren zu sichtbaren Veränderungen in den Schulabschlussquoten: Bezogen auf die Bevölkerung im jeweils typischen Abschlussalter ging die Bedeutung des Hauptschulabschlusses zurück, während sich ein anhaltender Trend zur Mittleren Reife und (Fach-)Hochschulreife abzeichnete (siehe Tabelle 2 der PDF-Version).

Parallel zu diesem Anstieg an höherqualifizierten Schulabschlüssen verlassen jedes Jahr viele Jugendliche die allgemeinbildende Schule ohne einen Abschluss. In der Altersgruppe der 15- bis unter 17-Jährigen beendeten im Jahr 2008 demnach 65000 Schüler die Schule, ohne zumindest über den Hauptschulabschluss zu verfügen. Dies entspricht einer Abgängerquote von knapp acht Prozent. Seit 2004 ist diese Quote leicht rückläufig, dennoch verlässt immer noch ein relativ großer Anteil von Jugendlichen das allgemeinbildende Schulwesen ohne die entscheidende Grundvoraussetzung für die weitere Bildungs- und Erwerbsbiografie.[10] Dabei verlassen mehr Jungen als Mädchen und doppelt so viele Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit die Hauptschule ohne Abschluss.[11]

Der relativ sinkende Hauptschüleranteil und die steigenden Übergangsquoten zum Gymnasium suggerieren zwar ein verbessertes Qualifikationsniveau der heranwachsenden Bevölkerung. Jedoch spiegelt sich dies nur bedingt im erfassten Kompetenzstand der Schüler wider. Bei der PISA-Erhebung aus dem Jahr 2000 lagen die Fähigkeiten deutscher Schüler in den Schlüsselbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften unterhalb des OECD-Durchschnitts.[12]

Zwischen 2000 und 2006 verbesserten sich die Leistungen deutscher Schüler zwar in Mathematik und den Naturwissenschaften; nicht überall gab es jedoch Fortschritte in der Lesekompetenz, und die Leistungsstreuung war in allen drei Kompetenzbereichen immer noch erheblich.[13] Zudem ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der Schülerleistung in Deutschland ausgeprägter als in anderen OECD-Staaten. Insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund haben deutliche Nachteile in der Kompetenzentwicklung. Dabei ist vor allem der Leistungsrückstand der zweiten Zuwanderergeneration beträchtlich und hat sich seit dem Jahr 2000 noch vergrößert.[14]

In den nächsten Jahren wird der demografische Wandel einen deutlichen Rückgang der Absolventenzahlen bedingen (siehe Tabelle 3 der PDF-Version). Laut einer Bildungsvorausberechnung des Bundes wird sich bis zum Jahr 2025 die Zahl der Absolventen beziehungsweise Abgänger um 24 Prozent verringern. Auch unter Berücksichtigung der insgesamt rückläufigen Absolventenzahlen wird die Hauptschule dabei überproportionale Rückgänge verzeichnen (minus 36 Prozent). Die geringste prozentuale Veränderung wird für die Gymnasien prognostiziert (minus 15 Prozent).

Durch die steigende Bildungsbeteiligung hat sich ein größerer Anteil der Jugendlichen eine Studienberechtigung erworben. Die Studienanfängerquote hat sich in den vergangenen Jahren entsprechend erhöht, beispielsweise von 26 Prozent im Jahr 1995[15] auf 34 Prozent im Jahr 2008.[16] Bis zum Jahr 2015 plant der Hochschulpakt der Bundesregierung zusätzliche 275000 Studienanfänger ein. Damit würden Kapazitäten für weitere 64000 Studienanfänger benötigt. Generell wird geschätzt, dass die Nachfrage nach Hochschulbildung mindestens noch bis zum Jahr 2025 auf einem sehr hohen Niveau bleiben wird.[17] Dies würde das Rekrutierungspotential unter jungen Schulabsolventen weiter reduzieren.

Fußnoten

7.
Vgl. Holger Bonin et al., Zukunft von Bildung und Arbeit. Perspektiven von Arbeitskräftebedarf und -angebot bis 2020, IZA Research Report No. 9/2007.
8.
Vgl. Stefan Hradil, Die Sozialstruktur Deutschlands im internationalen Vergleich, Wiesbaden 2004, S. 141.
9.
Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.), Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I, Bielefeld 2008; dies. (Hrsg.), Bildung in Deutschland 2010. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel, Bielefeld 2010.
10.
Vgl. Bildung in Deutschland 2010 (Anm. 8), S. 90.
11.
Vgl. Bildung in Deutschland 2008 (Anm. 8), S. 90.
12.
Vgl. ebd., S. 82.
13.
Vgl. ebd.
14.
Vgl. ebd., S. 85.
15.
Vgl. OECD, Education at a Glance, Paris 2009, S. 60.
16.
Vgl. Bildungsbericht 2010 (Anm. 8), S. 122.
17.
Vgl. ebd., S. 13.