APUZ Dossier Bild

24.11.2011 | Von:
Wenke Apt

Herausforderungen für die Personalgewinnung der Bundeswehr

Fazit

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird das Rekrutierungspotential der Bundeswehr schrumpfen. Neben den generellen Veränderungen in der Altersstruktur sind auch spezifische regionale Unterschiede von Bedeutung. Darüber hinaus stellen die Bildungsentwicklung, die wachsende Zahl übergewichtiger junger Menschen, das Absinken der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit und der gesellschaftliche Wertewandel Unsicherheiten für die zukünftige Personalgewinnung der Bundeswehr dar.

Mögliche Anpassungsstrategien bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Sparzwängen und den Anforderungen an Quantität wie Qualität. Mit einem attraktiveren Dienst- und Laufbahnrecht könnten beispielsweise Anreize für Personen mit Schlüsselqualifikationen gesetzt werden. Durch flexiblere, auf den Bedarf zugeschnittene Zeitverträge könnte die Bundeswehr versuchen, das Personal im einsatzrelevanten Altersband zwischen 20 und 45 Jahren stärker an sich zu binden und sich gleichzeitig besser auf die Erfordernisse des Einsatzes ausrichten. Wichtigste Voraussetzung wäre ein volles Ausschöpfen der bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Laut Soldatengesetz ist für Soldaten eine Verpflichtungszeit (als Soldat auf Zeit) von bis zu 20 Jahren möglich. In der Praxis wird davon jedoch nur selten Gebrauch gemacht.[34] Eine solche Flexibilisierung würde auch den Seiteneinstieg von qualifiziertem Fachpersonal erleichtern und erlauben, eine Person mit einer einsatzrelevanten Qualifikation einzustellen oder weiterzuverpflichten, unabhängig von Alter oder Vorbildung.[35] Auch die vorhandenen demografischen Ressourcen ließen sich durchaus besser nutzen. Zum einen könnte man stärker auf Personen mit trainierbaren physischen und kognitiven Fähigkeiten zurückgreifen. Zum anderen bestünde die Möglichkeit, bisher unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen (Frauen sowie ethnische, kulturelle und religiöse Minderheiten mit deutscher Staatsbürgerschaft) verstärkt anzuwerben und bislang ausgeschlossene Gruppen (Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft sowie Ältere) zu legitimieren. Solche Maßnahmen entsprächen auch dem notwendigen ökonomischen Kalkül. Die Erfahrungen europäischer Bündnispartner wie Belgien, Großbritannien, Luxemburg oder Spanien können dafür wichtige Hinweise liefern. Die beschriebenen Handlungsoptionen deuten jedoch auch auf neue Erfordernisse und Herausforderungen bei der Organisation der Streitkräfte hin. Dies gilt vor allem für die militärische Fort- und Weiterbildung, die Bestrebungen um eine höhere Attraktivität des militärischen Dienstes und letztlich die soldatische Identitätsbildung nach den Konzepten der Inneren Führung.

Fußnoten

34.
Vgl. Falk Tettweiler, Die Bundeswehr soll einsatzorientierter werden: Die Strukturkommission steht vor großen Herausforderungen, unveröffentlichtes Manuskript (2010), S. 3.
35.
Vgl. ebd.