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24.11.2011 | Von:
Jörn Fischer

Freiwilligendienste und ihre Wirkung - vom Nutzen des Engagements

Freiwilligendienste

Freiwilligendienste sind eine besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements, das sich vom klassischen Ehrenamt durch einige spezifische Merkmale abgrenzt. Dazu gehören unter anderem verbindliche, formal geregelte Rahmenbedingungen, eine Dienstdauer von mindestens drei Monaten, ein wöchentlicher Arbeitsumfang von mindestens 50 Prozent der tariflichen Wochenarbeitszeit, eine pädagogische Begleitung der Freiwilligen und klassischerweise eine Trennung zwischen dem verantwortlichen Träger (beziehungsweise bei internationalen Diensten der sogenannten Entsendeorganisation) des Dienstes und der Einsatzstelle, in der der Dienst geleistet wird.

Für die nationalen Dienste (Freiwillige aus Deutschland leisten Dienst in Deutschland) bestehen im Gegensatz zu den internationalen Diensten (Freiwillige gehen ins Ausland) seit 1964 einheitliche gesetzliche (Förder-)Regelungen, die, mehrfach weiterentwickelt und 2008 in das Jugendfreiwilligendienstegesetz gegossen, mit wenigen Ausnahmen einen adäquaten rechtlichen und nicht zuletzt finanziellen Rahmen gaben und noch immer geben.

Neben der Unterscheidung national/international gibt es ein weiteres Distinktionsmerkmal, das sich ableitet aus dem inhaltlichen Schwerpunkt der Einsatzstelle. Handelt es sich um ein soziales, ökologisches, kulturelles oder entwicklungspolitisches Projekt? Diese Unterscheidung ist häufig auch namensstiftend: Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), das FSJ Kultur, das FSJ im Sport, das FSJ Politik, das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege (FJD) sind Dienstformen, die alle unter dem rechtlichen Dach des Jugendfreiwilligendienstegesetzes geleistet werden. Sie werden vom Bund finanziell bezuschusst; die Anerkennung der Träger obliegt hingegen den Landesbehörden. Diese Dienste finden ganz überwiegend in Deutschland statt, obwohl sie theoretisch auch als internationaler Dienst möglich sind. Ein weiterer nationaler Dienst, der durch eine sogenannte Incoming-Komponente (Freiwillige aus dem Ausland kommen nach Deutschland) aber auch zum grenzüberschreitenden Dienst werden kann, ist der Bundesfreiwilligendienst. Im Gegensatz zu den genannten Jugendfreiwilligendiensten besteht hier keine Altersbeschränkung nach oben. Dieses neue Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist im Kontext der Aussetzung des Zivildienstes entstanden.

Während die nationalen Freiwilligendienste also über Jahrzehnte hinweg in einem einheitlichen Rahmen einen stetigen förderpolitischen und inhaltlichen Reifeprozess durchliefen, entwickelten sich die internationalen Dienste ganz anders: Mangels passender gesetzlicher Rahmenbedingungen ist hier ein kreativer Wildwuchs entstanden, der zu einem zwar sympathischen Sammelsurium ganz unterschiedlicher Programme und Bezeichnungen geführt hat, sich jedoch für Interessenten als ein nahezu undurchschaubarer Angebotsdschungel erweist. Erst mit der Einführung der Programme Weltwärts (2008) und Kulturweit (2009) hat das jahrzehntelange (förder-)politische Schattendasein der internationalen Dienste ein Ende gefunden. Das Programm Weltwärts wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell gefördert und politisch gesteuert; die Durchführung obliegt über 200 - zumeist zivilgesellschaftlichen - Entsendeorganisationen.

Das Programm ermöglicht den Einsatz von jährlich rund 3500 jungen Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren in Afrika, Lateinamerika, Asien und (Süd-)Osteuropa in unterschiedlichen entwicklungspolitischen Projekten und folgt dabei einem sehr breiten Verständnis von "entwicklungspolitisch". Der Anspruch von Weltwärts ist es, nicht nur im sogenannten Partnerland Wirkung zu erzeugen, sondern durch das Engagement der zurückgekehrten Freiwilligen auch in Deutschland. Damit ist Weltwärts eher ein Instrument der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit als ein Instrument der personellen Entwicklungszusammenarbeit (verstanden als die Entsendung von Fachkräften ins Ausland). Kulturweit ist ein vom Auswärtigen Amt finanziertes und von der Deutschen UNESCO-Kommission durchgeführtes Programm, das in etwa so kulturell ist wie Weltwärts entwicklungspolitisch. Die in diesem Programm eingesetzten Freiwilligen sind überwiegend tätig in Einrichtungen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, wie deutsche Schulen im Ausland oder Goethe-Institute. Und schließlich wurde auch das BMFSFJ, eigentlich originärer policy maker im Feld der Jugendfreiwilligendienste, tätig und legte mit dem "Internationalen Jugendfreiwilligendienst" ein eigenes Förderprogramm auf. Daneben gibt es mit dem Europäischen Freiwilligendienst schon seit vielen Jahren ein von der Europäischen Union gefördertes Programm, das mit dem Boom von Weltwärts und Kulturweit allerdings an Bedeutung verlor.