APUZ Dossier Bild

10.11.2011 | Von:
Joachim Radkau

Eine kurze Geschichte der deutschen Antiatomkraftbewegung

Fragen aus der Distanz

Die Antiatomkraftbewegung ist längst nicht so gut erforscht, wie man in Anbetracht ihrer historischen Tragweite und faszinierenden Neuartigkeit erwarten könnte. Zentrale Fragen stellen sich erst aus einer gewissen Distanz: aus der zeitlichen Ferne; aus dem Vergleich mit anderen Ländern und aus dem Gesamtüberblick über die ganze Vielfalt der Umweltbewegung. Was war an dieser Protestbewegung typisch deutsch, was findet sich auch in anderen Ländern, und wie erklärt sich eine etwaige bundesdeutsche Besonderheit? Wie ist es angesichts der Vielfalt der Umweltprobleme zu erklären, dass sich der Protest immer wieder auf die Kernkraft konzentrierte? Gibt der historische Verlauf Aufschlüsse darüber, wieweit dieser Protest rationale Wurzeln hatte oder eher irrationalen Ängsten und ideologischen Voreingenommenheiten entsprang? Liegt der wahre Ursprung bei der Studentenrevolte von 1968? Oder noch weiter zurück bei dem Protest gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr? Wieweit resultierte der Elan der Antiatomkraftbewegung aus bestimmten Feindbildern, wie stand es mit der Gewaltbereitschaft? Gab es in dieser Bewegung unterschiedliche Phasen und Lernprozesse - und auch Prozesse des Vergessens? Auf welche Weise gelangte der Anti-AKW-Protest über den Tellerrand einer selbstbezogenen Szene hinaus? Öffnete er die Augen für ein breites Spektrum von Umweltgefahren, oder erzeugte er eher eine Monomanie, die ihn von anderen Umweltinitiativen isolierte? Auf viele dieser Fragen gibt es auf dem derzeitigen Forschungsstand nur vorläufige Antworten.[1] Der Historiker stößt auf Probleme des Quellenzugangs; von den zugänglichen Dokumenten her ist das Innenleben vieler Anti-AKW-Initiativen nicht leicht zu durchschauen.

Fußnoten

1.
Auf Belege soll hier aus Platzgründen verzichtet werden. Für umfangreiche Quellen- und Literaturangaben sei verwiesen auf Joachim Radkau, Die Ära der Ökologie - Eine Weltgeschichte, München 2011.

Dossier

Energiepolitik

Die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Schrittweise sollen Atomenergie und fossile Kraftstoffe durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Dazu sind riesige Investitionen erforderlich. Gleichzeitig befindet sich der globale Energiemarkt im Umbruch: Während in Europa schrittweise mehr Wettbewerb eingeführt wird, konzentriert sich die Kontrolle über die weltweiten Öl- und Gasreserven zunehmend in der Hand von wenigen Staatsfirmen. Das Dossier ist Bestandsaufnahme der aktuellen Energiemärkte und bietet einen Ausblick auf Chancen und Risiken zukünftiger Energiepolitik.

Mehr lesen