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10.11.2011 | Von:
Konrad Kleinknecht

Abkehr vom Klimaschutz?

Hochspannungsleitungen und Speicherseen

Wenn die Leistung der an der Nordseeküste oder auf offener See installierten Windkraftwerke in Norddeutschland nicht abgenommen werden kann, muss sie nach Skandinavien exportiert werden, gegen Abnahmegebühr freilich. Für den Transport nach Süden fehlt es an Hochspannungsleitungen. Nach Berechnungen der dena ist der Bau von 3600 Kilometern solcher Höchstspannungsleitungen von Nord nach Süd notwendig. Die gegenwärtig geplanten Vorhaben werden von diversen Bürgerinitiativen bekämpft und von Verwaltungsgerichten um Jahre verzögert. Elektrischer Strom kann im nötigen Umfang nur in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert werden. Der Neubau von Staudämmen ist heute in Deutschland nur noch in wenigen Fällen möglich, weil er dem Naturschutz zuwider läuft. Alternative Speichermöglichkeiten wie Batterien oder andere chemische Verfahren bieten keine genügend große Kapazität für die benötigte Menge an elektrischer Energie. Der Fortschritt in diesen Techniken war in den letzten 20 Jahren nicht groß genug.

Im Gegensatz zu der Schweiz oder Österreich verfügt Deutschland aber nur in den Mittelgebirgen über die nötigen Höhenunterschiede für solche Speicher. In Sachsen und im Schwarzwald liegen die leistungsfähigsten Anlagen, aber ihre Kapazität reicht bei weitem nicht aus, um den Speicherbedarf zu decken. Gegenwärtig haben alle Pumpspeicherkraftwerke im Süden eine Kapazität von 30 Millionen Kilowattstunden. Die Energie, die die 21585 Windkraftwerke an der Nord- und Ostseeküste in acht Stunden erzeugen, ist zehnmal größer. Der Ausbau der Speicher im Süden hätte also höchste Priorität. Allerdings stößt das einzige Großprojekt für solche Speicher, die Erweiterung des Schluchseekraftwerks bei Atdorf auf Widerstand der Anwohner. In den nächsten zehn Jahren wird in Deutschland also höchstens ein neues Pumpspeicherwerk gebaut werden.

Deshalb muss für jedes Wind- oder Solarkraftwerk ein fossiles Tandem-Kraftwerk gebaut werden, das als Reserve für den Stillstand der erneuerbaren Energiequelle dient. Besonders geeignet als schnell aktivierbare Stromquellen sind Gas- oder GuD-Kraftwerke (Gas- und Dampfkraftwerke).


Dossier

Energiepolitik

Die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Schrittweise sollen Atomenergie und fossile Kraftstoffe durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Dazu sind riesige Investitionen erforderlich. Gleichzeitig befindet sich der globale Energiemarkt im Umbruch: Während in Europa schrittweise mehr Wettbewerb eingeführt wird, konzentriert sich die Kontrolle über die weltweiten Öl- und Gasreserven zunehmend in der Hand von wenigen Staatsfirmen. Das Dossier ist Bestandsaufnahme der aktuellen Energiemärkte und bietet einen Ausblick auf Chancen und Risiken zukünftiger Energiepolitik.

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