Newsletter kinofenster.de Februar/März 2024
Sehr geehrte Damen und Herren,
lässt sich das unermessliche Grauen des Holocaust mit den Mitteln des Spielfilms darstellen? Die Frage ist noch immer höchst umstritten. Mit The Zone of Interest hat der britische Filmemacher Jonathan Glazer einen herausfordernden Kinofilm über den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß und dessen Familie gedreht, der vor allem filmästhetisch einen radikalen Neuansatz bedeutet. Im zweiten Teil unseres Dossiers über die Inszenierung von NS-Täter/-innen in Spielfilmen widmen wir uns Glazers preisgekröntem Werk ausführlich.
Aktuell im Kino läuft ein Film, der auf völlig andere Weise ein dramatisches Ereignis zum Thema macht: In Green Border stellt die renommierte polnische Regisseurin Agnieszka Holland die Not der Geflüchteten an der belarussisch-polnischen Grenze im Herbst 2021 mit drastischer Direktheit nach. Auf wahren Ereignissen beruht auch Reality: Der Thriller der US-amerikanischen Filmemacherin Tina Satter, eine Verfilmung ihres Theaterstücks Is This a Room?, handelt von der 2017 verhafteten Whistleblowerin Reality Winner und basiert auf Verhörmitschnitten des FBI. Den Mustern gängiger Biopics folgt Reinaldo Marcus Greens Bob Marley: One Love über den 1981 gestorbenen jamaikanischen Reggae-Musiker und politischen Aktivisten. In die 1980er-Jahre führt Aitch Albertos US-amerikanischer Coming-of-Age-Film Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums, in dem zwei Jugendliche mit Philosophennamen, aber ganz unterschiedlichem sozialen Background zueinander finden. In äußerst prekären Verhältnissen – auf der Straße – leben die minderjährigen Sophie und Dominik. Für Berlin Bytch Love begleiteten die Dokumentarfilmer Heiko Aufdermauer und Johannes Girke das obdachlose Liebespaar zwei Jahre lang in Berlin. Einen höchst unterhaltsamen Galopp durch die Geschichte der Kamerabilder – von der Camera Obscura bis zur Digicam – bietet dagegen der schwedisch-dänische Dokumentarfilm And the King Said, What a Fantastic Machine!. Außerdem möchten wir auf kinofenster.de mit dem einfühlsamen ukrainischen Coming-of-Age-Film Stop-Zemlia an den Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor zwei Jahren erinnern. Und den vierten Jahrestag des rechtsextremistischen Terroranschlags in Hanau nehmen wir zum Anlass, um noch einmal auf den sehenswerten dokumentarischen TV-Mehrteiler Einzeltäter hinzuweisen, der in der ZDF-Mediathek verfügbar ist.
Außerdem in diesem Newsletter: Ein neues Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und ein Online-Filmbildungsangebot für Kinder
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