Dossierbild Afrikanische Diaspora

2.11.2004 | Von:
Peggy Piesche

Funktionalisierung und Repräsentation von multikulturellen Images in DDR-Comics

War Pittiplatsch schwarz? – Tradierung alter Images

Pittiplatsch aus dem Koboldland, der liebenswürdige Tollpatsch aus den Kindersendungen des DDR-Fernsehens, ist die einzige nicht als Tier gezeichnete Figur im Märchenwald. Während Fuchs, Elster und Enten personifiziert sowie mit menschlichen Persönlichkeitsmerkmalen ausgestattet sind und die übliche Kulisse für die im Kinderprogramm inszenierte Fabel abgeben, findet sich mit Pittiplatsch der einzige Kobold. Mit einer persönlichen Geschichte ausgestattet – aus dem Koboldland werden Großmutter und Cousin erwähnt – bleibt er dennoch die Verkörperung des Hybriden. In seiner Gestaltung unterstützt von der menschlichen Charakterzuschreibung des albernen, liebenswürdigen, aber dennoch stets naiven und z.T. selbst dummen kleinen Jungen, verweist er auf die Chiffren des 'Mischlings', quasi das Bindeglied im Märchenwald. In seiner Zeichnung reiht sich diese Figur in eine allzu bekannte Tradition ein.

Cover der Comicserie "Digedags - Die Hochzeit in Byzanz".Cover der Comicserie "Digedags - Die Hochzeit in Byzanz". (© Buchverlag Junge Welt)
Auch auf der Textebene reihen sich DDR-Comics in europäische Traditionen ein: In der 1955 in der "Frösi" erschienenen Serie "Mäxchen Pfiffigs Abenteuer" finden sich Episoden, in denen Mäxchen, ein kleiner, blonder Junge, mit Bambo, einem schwarzen Jungen auf Jagd nach bösen Einbrechern ist und u.a. durch einen Schornstein klettern muss: Die entsprechende Bildunterschrift lautet: "Schwarz wie Kohle sind die beiden innerhalb von kurzer Frist. Pat kann kaum noch unterscheiden, wer der echte Neger ist." Mäxchen gibt den Verfolgungsplan vor, Bambo dagegen ist der Unsichere. Er folgt ihm lieber, weil er selbst unfähig zu sein scheint: "Da – in allerhöchster Eile stolpert Bambo hin und her, fällt – und mit dem Hinterteile auf ein Fass mit frischem Teer."

Sowohl die Figurenzeichnungen als auch signifikante Persönlichkeitsmerkmale wie Körperhaltung, Sprache und Bewegungsgestus finden in den frühen Comics ihre bekannte Entsprechung – auch P. spricht von sich selbst vornehmlich in der dritten Person Singular. Diese Stereotypisierungen und Imagebildungen werden in den meisten Comics tradiert. Die von Willy Moese Anfang der 70er Jahre geschaffene Figur NUK wurde zum Maskottchen der neu gegründeten Kindersektion in der Zeitschrift NBI. Diese sollte "Neues für Unsere Kinder" (so die Abkürzung der Figur) mit dem kleinen, lustigen, sprechenden, jedoch gar nicht so klug denkenden Äffchen einleiten. Rudolf Wenks "Geheimnisvoller Sturm" siedelt das entsprechende Image wieder im menschlichen Kontext an. Die Beliebigkeit und Austauschbarkeit von menschlichen Zuschreibungen an Tieren und tierischen Zuschreibungen an Menschen deutet sich hier bereits an und wird schließlich auch im 'Mosaik' anfänglich aufgegriffen.

In einem der ersten Hefte ("Die Zirkuspremiere") – die Digedags proben mit ihrem Zirkus für die Auftritte in Rom – wird ein sprechender, gaukelnder und vor allem törichter Affe ähnlich den ebenfalls in der Show auftretenden 'exotischen Eingeborenen' positioniert. Mit dem Satz: "... Ich bin der geborene Artist und kann jedes Kunststück", stellt er sich vor. (Hier sozusagen beim 'Vorsprechen' für eine Stelle im Zirkus.) Er führt sogleich Jonglierkunststücke vor – was zuvor ein Insulaner tat – und will dann beim Anblick der tanzenden Mädchen auch diese nachmachen. Nach dem Trapezspringen und anderen Kunststückchen zeigt sich, dass er besser trommelt als einer der Männer und er wird schließlich als Musiker engagiert, da sich hier sein größtes Talent zeigt. Der Zirkus zieht in einem Schiff weiter, das der Arche Noah gleicht, und der Affe, zuvor nach einem Streit mit seiner Frau geflohen, darf seine Familie mitnehmen.

Im ersten großen Abenteuer, das die D. auf einer 'einsamen' Insel bestehen, unterwerfen sie die Natur, indem sie mit den Affen – den Ureinwohnern – um die Herrschaft der Insel kämpfen. Diese fügen sich schicksalhaft der Hegemonialmacht der 'Menschen' und dadurch wird bereits auf die weitere Handlung verwiesen: "Die Entdeckung der Inselbewohner".


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