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Chronologie zur Deutschen Kolonialgeschichte

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Chronologie zur Deutschen Kolonialgeschichte

Paulette Reed-Anderson

/ 5 Minuten zu lesen

Hier finden Sie eine ausführliche Chronologie zur Deutschen Kolonialgeschichte. Der Zeitraum reicht von 1874 bis 1945.

1847

Vorlage der "Denkschrift über die Erhebung Preußens zu einer See-, Kolonial- und Weltmacht ersten Ranges" vor dem Vereinigten Landtag in Preußen.

1856-1868

Errichtung einer Niederlassung des Bremer Handelshauses Friedrich M. Vietor Söhne in Togo (1856);
Errichtung einer Niederlassung des Hamburger Handelshauses Carl Gödelt in Togo (1866);
Errichtung einer Niederlassung des Hamburger Handelshauses Carl Woermann in Kamerun (1868).

1871

Proklamation des Deutschen Reiches in Versailles;
Otto von Bismarck wird Reichskanzler (bis 1890);
Artikel 4 der Verfassung des Norddeutschen Bundes – die Sicherung der Möglichkeit zu überseeischen Erwerbungen – wird ohne Abänderung in die Reichsverfassung übernommen.

1874-1882

Errichtung einer Niederlassung des Hamburger Handelshauses Jantzen & Thormählen in Kamerun;
Gründung des "Zentralvereins für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande" in Berlin (1878);
Erster Deutscher Kolonial-Kongress;
Gründung des "Verein für Handelsgeographie und Kolonialpolitik" in Leipzig (1879);
Errichtung einer Niederlassung des Hamburger Handelshauses Franz Wölber & Walter Brohm in Togo;
Gründung des "Deutschen Kolonialvereins" in München(1882).

1884

Februar:
Kampf in Togo zwischen deutschen Firmenbesitzern und einer Gruppe um den Togoer Amtsträger Lawson;
Entführung von drei seiner Mitstreitern durch die deutsche Marine;
Abtransport nach Deutschland, Gefangennahme in der Kaserne des 2. Garderegiments in Berlin-Spandau (bis Juni).

März:
Ernennung des Afrikaforschers und Diplomaten Gustav Nachtigal zum "Reichskommissar" für die westafrikanische Küste.

Juli:
Abschluss von Verträgen zur Meistbegünstigung des deutschen Handels mit afrikanischen Amtsträgern in Togo, Errichtung der Kolonie Togo;
Abschluss von Verträgen zur Meistbegünstigung des deutschen Handels zwischen Duala Amtsträgern und den Hamburger Handelsfirmen C. Woermann und Jantzen & Thormählen;
Errichtung der Kolonie Kamerun;
Aufstand in Duala.

August:
Errichtung der Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika (heutige Republik Namibia).

September:
Entsendung des neu gegründeten "Geschwaders für die Westküste Afrika" mit sechs Kriegsschiffen und ca. 1.300 Marinesoldaten nach Afrika.

Oktober:
Wahl in Deutschland. Haupt-Wahlkampfthema: Kolonialpolitik. Ergebnis: Sieg der Bismarck-nahen Parteien;
Die Regierung Otto von Bismarcks überreicht eine Mitteilung an die europäischen Kolonialmächte über die Besitzergreifung von bestimmten Orten in Westafrika.

November:
Eröffnung der Westafrika-Konferenz ("Kongo-Konferenz") in Berlin.

1885

Februar:
Beendigung der Westafrika-Konferenz in Berlin; Abkommen über Handelsverträge und über die Aufteilung des afrikanischen Kontinents in europäische Einflusszonen; Errichtung der Kolonie Deutsch-Ost-Afrika (heutige Republik Tansania).

1888-1891

Gründung der "Deutschen Kolonialgesellschaft"/DKG (1888);
Einrichtung der Kolonial-Abteilung im Auswärtigen Amt (1890);
Aufstände in Deutsch-Ost-Afrika; (1891 bis 1907) Aufstände in Kamerun (1890 bis 1898).

1896-1902

"Erste deutsche Kolonialausstellung" im Treptower Park in Berlin, etwa 100 afrikanische Vertragsarbeiter aus allen deutschen Kolonien sind anwesend (1896);
Überreichung einer Petition gegen die deutsche Kolonialpolitik in Kamerun durch die Londoner "African Association" an Kaiser Wilhelm II (1898);
Besuch der Duala Könige Manga Bell und Dika Akwa in Berlin (1902);
Überreichung von Petitionen an die Kolonial-Abteilung im Auswärtigen Amt (1902).

1904-1905

Gründung der Deutsch-Westafrikanischen Bank in Berlin durch ein Konsortium unter der Leitung der Dresdner Bank. Eröffnung von Zweigstellen in den deutschen Kolonien Kamerun und Togo (1904);
Aufstände der Gruppen Khoikhoin und Herero in Deutsch-Südwest-Afrika, Ermordung von etwa 75.000 Herero (1904 bis 1906);
"Maji Maji"-Aufstand auf den deutschen Baumwollplantagen in Deutsch-Ost-Afrika, Ermordung von etwa 200.000 Menschen in den Aufstandsgebieten (1905 bis 1908);
Überreichung von Petitionen gegen die deutsche Kolonialpolitik durch Könige und Amtsträger aus Togo und Kamerun an die Reichsregierung (1905).

1906-1907

Überreichung einer Petition gegen die deutsche Kolonialpolitik durch den Kameruner Bevollmächtigten Prinz Ludwig Mpundo Akwa an die Reichsregierung (1906); Reichstagswahlen (1907): Sieg der Befürworter der deutschen Kolonialpolitik, Errichtung eines eigenständigen Kolonialministeriums: Reichskolonialamt im Auswärtigen Amt;
Hinrichtung von sechs Aufständischen in der Kolonie Kamerun (1907).

1911-1914

Petitionen gegen die deutsche Kolonialpolitik von Togoer Königen, Amtsträgern und Geschäftsleuten an die Reichsregierung (1911); Hinrichtung von etwa 200 aufständischen Amtsträgern – darunter Rudolf Duala Manga Bell, Ludwig Mpundo Akwa, Mandola von Groß Batanga, Martin-Paul Samba – in der deutschen Kolonie Kamerun (1914).

1914-1918

Erster Weltkrieg in Europa und den europäischen Kolonien in Afrika.

1918

Abdankung Wilhelms II, Rücktritt der Regierung des Prinzen Max von Baden, Ausrufung der Republik durch Karl Liebknecht und Philipp Scheidemann.

1919

Nationalversammlung zu Weimar, Friedrich Ebert wird Reichspräsident;
Petition von in Deutschland lebenden Afrikanern an die Nationalversammlung;
Unterzeichnung des Friedensvertrages im Schloss zu Versailles, die deutschen Kolonien werden an die Mandatsmächte Frankreich und Großbritannien übertragen.

1920-1924


Auflösung des Reichskolonialamtes, Übertragung der Angelegenheiten an eine Kolonial-Zentralverwaltung im Reichsministerium für Wiederaufbau (1920);
Verabschiedung von Gesetzen zur "Entschädigung kolonialer Kriegsschäden", Verwaltung der Auszahlung von Entschädigungen für afrikanische koloniale Soldaten durch die von der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes beauftragte "Deutsche Gesellschaft für Eingeborenenkunde" (1920 bis 1925);
Veranstaltung von Kolonialen Kongressen durch die Deutsche Kolonial Gesellschaft/DKG in Magdeburg, Nürnberg, Berlin, Dresden und Bochum (1920 bis 1927).

1924-1931

Wiedereinrichtung einer Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt (1924);
Kolonialausstellungen in Berlin und anderen Städten (1925 bis 1928);
Erscheinen des Kolonial-Romans "Volk ohne Raum" des Publizisten Hans Grimm (1926);
Koloniale Schulungswoche in Bremen veranstaltet von der "deutschen Studentenschaft" (1927);
Gründung der deutschen Sektion der "Liga zur Verteidigung der Negerrasse E.V." ("Liga Universelle pour la Défense de la race noire") mit Hauptsitz in Berlin (1929);
New Yorker Börsenkrach – Beginn der Weltwirtschaftskrise (1929); Erste "International Conference of Negro Workers" in Hamburg, Gründung der Zeitschrift "Negro Worker" (1930); Teilnahme von Afrikanern aus Berlin an der "Internationalen Konferenz für das afrikanische Kind" in Genf (1931).

1933

Notverordnung zur Auflösung des Reichstages (1. Februar) und Durchführung von Neuwahlen am 5. März;
"Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" ("Ermächtigungsgesetz"; 24. März), Ausschaltung des Parlaments, die Weimarer Verfassung wird faktisch außer Kraft gesetzt.

1934

Einrichtung des Kolonialpolitischen Amtes;
Kolonialausstellungen in Chemnitz, Köln, Wiesbaden, Nürnberg, Freiburg, Eisenach, Königsberg, Meersburg (1934 bis 1935);
Es werden eine Reihe von Kolonialfilmen in Auftrag gegeben, darunter: "Die Reiter von Deutsch-Ostafrika" (1934), "Kongo Expreß" (1936), "Carl Peters" (1941).

1936-1938

"Gleichschaltung" der Kolonialverbände im Reichskolonialbund (1936);
Einrichtung eines Kolonialpresseamtes im Kolonialpolitischen Amt (1938).

1939-1940

Überfall deutscher Truppen auf Polen, Beginn des zweiten Weltkrieges (Sept.1939);
Besetzung von Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich durch die Deutsche Wehrmacht (1940); Krieg in Nordafrika (1940 bis 1943).

1940-1941

Denkschriften und Memoranden zur Errichtung eines deutschen Kolonialreiches im Süden der Sahara (Sommer/1940) – "Mittelafrikanisches Kolonialreich";
Ausfertigung eines "Reichskolonialgesetzes" durch das Kolonialpolitische Amt;
Aufstellung des "deutschen Afrikakorps" (1941).

1943

Auflösung des Kolonialpolitischen Amtes (Jan.);
Kapitulation der deutschen Truppen in Nordafrika (Mai).

1945

Kapitulation Berlins (Mai);
bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches.

Fussnoten

Paulette Reed-Anderson, Studium der Neueren Geschichte in Kalifornien und Berlin. Kolonialgeschichte und die Entwicklung der afrikanischen Diaspora sind Schwerpunkte ihrer Forschung im Bereich der deutschen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, außerdem engagiert sie sich in der Öffentlichkeit über Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland.