Dossierbild Afrikanische Diaspora

30.7.2004 | Von:
Daniel Oeding

Just another street thing oder: the talking drums of the urban cities

Von Hamburg nach Berlin

MTC Yaw wurde in Berlin geboren, verbrachte einige Zeit in London und wurde dort stark von der britischen Musikszene geprägt. Den DJ, Produzenten und Labelbesitzer zog es 1986 zurück nach Deutschland, wo er den Hip-Hop-Act C.B. gründete.

Nachdem sich die Gruppe aufgelöst hatte, wechselte MTC Yaw ("Man They Call Yaw") seinen Stil. Von nun an hieß sein Metier Breakbeats. 1994 begann er das Deejaying. Seine ersten DJ-Sets hatte er in Köln, Hamburg, Berlin, Bremen sowie München und international in Holland und Frankreich. Seit 1997 ist Yaw Resident-DJ der populärsten Raves in Deutschland (Jungle Mania, dem Boombastic Sound Club in Bremen und One Love).

Mit dem Remix der Hit-Single "You Got Me" von der US-Hip-Hop-Combo "The Roots" zeigte er der Öffentlichkeit, dass es in Deutschland sehr wohl guten Drum'n'Bass gibt. Seine Kreativität zeigt immer wieder neue Facetten. So mixt er beispielsweise MC Ferris und Afro auf einen düsteren Jungle-Beat. Nachdem er sich in der Szene etablieren konnte, gründete er 2003 sein eigenes Label "Form Recording". Zusammen mit seinem Partner Rollin B veröffentlichte er mehrere 12"inches und sorgte mit dem Album "Formagenda" für Aufsehen in der nationalen und internationalen Szene.

Berlin war auch die Basis für Steve Owen, einer der ersten Drum'n'Bass-DJs in Deutschland.
Der DJ und Produzent zog 1994 von London über München nach Berlin. Die deutsche Metropole gab ihm andere Möglichkeiten, intensiver mit seinem Sound zu experimentieren. Nachdem er 1994 einige Zeit in einem Münchener Reggae-Club Drum'n'Bass aufgelegt hatte, fand er in der Hauptstadt sein neues Fundament. "Berlin war damals genial", erinnert sich Owen. "Ich kam aus London, wo ich zuvor 1989 in England den großen 'Rave Summer' miterlebte. Die 'Rave-Welle' flachte dann ab und als ich nach Berlin kam, boomte die Sache hier riesig. In England war ich bereits 1991 in der Drum'n'Bass-Szene involviert. Ich legte auf, produzierte und veranstaltete Parties, sodass ich in Berlin anfangen konnte, an neuen Sachen zu experimentieren. Musikalisch konnte ich mich frei entfalten und ich ging kreativ in alle Richtungen. Damals veranstaltete die Berliner Szene Parties in den Kellergewölben des WMF und E-Werks oder in besetzten Häusern. Ich konnte wirklich abstrakte Dinge auflegen, die in London wahrscheinlich kein großes und gutes Publikum gefunden hätten", erzählt der Künstler, der schon 1974 in Barcelona Disco-Sounds produzierte.
Die ganze Drum'n'Bass-Underground-Szene habe sich sehr gut entwickelt, bestätigt Steve, der heute in London lebt. Weiterhin legt er auf, produziert und favorisiert die Dubplates von Künstlern aus Weimar.

Deutschland 2003

In ganz Deutschland gibt es mittlerweile afro-deutsche Akteure, die kreativ in die Szene involviert sind. Der Produzent und DJ Mad Vibes aus Frankfurt gründete 1998 das Label "Rawalitiy Records" und brachte die Produktionen "Raw 4ever / How you feel out there" heraus. Zwei weitere Veröffentlichungen erschienen auf Gyration Records. 2000 rief er die regelmäßigen "Fresh!"-Parties im Frankfurter "o25 Club" ins Leben, auf denen u.a. Grooverider, Storm, Fabio spielten. Neben diversen Drum'n'Bass-Events widmet er sich seit 2002 wieder intensiver dem Produzieren.

MC Remedy wurde zusammen mit seinem Partner MC Haze Resident MC in der Stuttgarter Röhre. Sie gründeten "Trade Recordings", dessen Crew sich Ende 2002 auflöste. Heute sind beide immer noch in der Szene aktiv.

MC Marvellous ist MC des süddeutschen "nme click"-Kollektivs. Zwei Partyreihen, "Touchdown" und "Echoes from the Future", wurden in Ulm ins Leben gerufen. Auf dem Dimensions Label erscheinen die Tracks "Lovers Rock" und "God's Child". In Köln gründete "bullet_proof_soul" Ende der 90er das Produktionsstudio "72bpm/Junglefire.artmoves". LTJ Bukem vom Londoner Good-Looking-Label war beteiligt an dem Track "Inna Lifeline" vom Produktionsteam. Die Plattform "Junglefire.artmoves" realisiert "spoken words"-Performances mit produzierten Beats und Sounds sowie "visual arts". Mitte 2003 präsentierte Junglefire das Projekt "Curly Energies" beim "1. Afro-Deutschen Spoken Word Event" im Berliner Gropius-Bau, der von der Berliner Agentur "cyberNomads" und der Bundeszentrale für politische Bildung initiiert wurde.

Gute Aussichten

Die Darstellung einiger Künstler in der elektronischen Underground-Szene zeigt, dass es, neben dem Hip-Hop-Movement, schon seit den frühen 90er Jahren afro-deutsche DJs, Produzenten und Veranstalter gibt, die eine Underground-Kultur mitgeprägt haben und diese bis heute unterstützen; und die Zahl der Künstler wird größer. ND, der Bremer DJ, Produzent und Veranstalter auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass in Deutschland immer mehr schwarze Künstler einen Schritt Richtung elektronische Musik machen werden: "Ja, ich denke es nicht nur, sondern es passiert bereits!"
    "Jungle music brings a message of peace, love and unity. It is a powerful force like Reggae and Hip Hop and a voice of the ghetto - the voice of the people" (Congo Natty Movement, UK)


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