Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.1.2010 | Von:
Emma Quinn

Gegenwärtige und zukünftige Fragen

Irland erlebt zurzeit einen beträchtlichen wirtschaftlichen Rückgang. Zwischen dem ersten Quartal 2008 und dem ersten Quartal 2009 verdoppelte sich die Zahl der Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquote im Dezember 2009 lag bei 12,5 Prozent, und es wird erwartet, dass sie während 2010 weiter stark ansteigen wird.

Ausländische Staatsbürger waren von diesen Entwicklungen bisher besonders stark betroffen. Im dritten Quartal 2009 lag ihre Arbeitslosenquote bei 17,2 Prozent im Vergleich zu 11,9 Prozent für irische Staatsbürger. Branchen mit besonders starken Beschäftigungsrückgängen wie zum Beispiel Bau, Einzel- und Großhandel beschäftigen viele Zuwanderer.

Die Zahl der Arbeitslosen, die Anspruch auf Sozialleistungen haben, steigt weiter an und wird zu einer wachsenden Belastung für den Staat. Viele Einwanderer haben zwar keinen Anspruch auf Sozialleistungen, da sie keinen ständigen Wohnsitz in Irland nachweisen können, dennoch hat auch eine beträchtliche Zahl ausländischer Staatsbürger Anspruch auf Unterstützung.

Die veränderten Wirtschaftsbedingungen markieren den Beginn einer neuen Phase der irischen Migrationsgeschichte. Es ist wahrscheinlich, dass manche Einwanderer in ihre Herkunftsländer zurückkehren werden und, sollten sich die internationalen Wirtschaftsbedingungen verbessern, die irische Auswanderung wieder größere Bedeutung gewinnt. Es gibt manche Hinweise darauf, dass diese Entwicklung schon eingesetzt hat: Die Auswanderungsquote ist zwischen 2006 und 2008 um 25 Prozent gestiegen; die Nettomigration bleibt jedoch positiv. Es werden sicherlich einige Zuwanderer in Irland bleiben, um sich auf Dauer im Land niederzulassen. Für diese Gruppe gibt es einen Bedarf an einer stärker entwickelten Integrationspolitik.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Leben der Zuwanderer in Irland durch die Wirtschaftsrezession verändern wird. Erfahrungen in anderen Ländern lassen darauf schließen, dass Irland einer möglicherweise wachsenden Diskriminierung wachsam begegnen muss, wenn die Konkurrenz um Arbeitsplätze zunimmt. In diesem Kontext sind die Ende 2008 vorgenommenen Haushaltskürzungen in einer Reihe von staatlichen Behörden, die sich mit Gleichberechtigung, Menschenrechten und Anti-Diskriminierung befassen, besonders wenig begrüßenswert.


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