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Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

1.2.2009 | Von:
Hein de Haas

Hintergrundinformationen

Seit den 1960er Jahren hat sich Marokko zu einem der wichtigsten Herkunftsländer von Einwanderern in Europa entwickelt. Verschärfte Zuwanderungsbeschränkungen konnten diese Entwicklung kaum aufhalten und haben eher dazu beigetragen, dass Migranten die Grenzen zunehmend irregulär überqueren und auch Ziele jenseits der traditionellen Zielländer, Frankreich und die Benelux-Staaten, ansteuern.

MarokkoMarokko Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)
Seit 1990 konzentriert sich die Auswanderung von niedrig qualifizierten Arbeitskräften aus Marokko auf Italien und Spanien, während die höher qualifizierten Arbeitskräfte in stärkerem Maße in die USA und Kanada auswandern. Schätzungsweise mehr als drei Millionen Menschen marokkanischer Abstammung (bei einer Gesamtbevölkerung von 31 Millionen) leben im Ausland; diese überwiesen 2006 etwa 5,6 Milliarden US-Dollar an Angehörige in der Heimat, womit Marokko der größte Empfänger von Rücküberweisungen in Afrika ist.

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Info

Marokko

Hauptstadt: Rabat
Landessprachen: Arabisch (Amtssprache), Berbersprachen, Französisch
Fläche: 710.850 km2
Bevölkerung (2007): 31.224.000
Bevölkerungsdichte (2007): 44 Personen pro km2
Bevölkerungswachstum (1996-2007): 1,2 %
Ausländischer Bevölkerung (Schätzung von 2008): 0,3 %
Erwerbsbevölkerung (2007): 56,1 %
Arbeitslosenquote (2007): 9,8 %
Religionen: Muslime 98,7 %, Christen 1,1 %, Juden 0,2 %
Seit 1995 fungiert Marokko auch zunehmend als Transitland für Migranten und Flüchtlinge aus Staaten südlich der Sahara. Obgleich viele von ihnen versuchen, nach Europa weiter zu ziehen, bleiben diejenigen, die bei dem Versuch scheitern oder auch diesen Schritt dann doch nicht wagen, lieber in Marokko, sozusagen als zweitbeste Lösung, als in ihre instabilen, unsicheren und deutlich ärmeren Heimatländer zurückzukehren. Die marokkanische Gesellschaft sieht sich durch den Verbleib dieser Migranten mit den für Einwanderungsländer typischen sozialen und rechtlichen Fragen konfrontiert, Fragen die sich nicht so recht mit Marokkos Selbstbild als Auswanderungsland in Einklang bringen lassen. Die in Europa anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Ausland, im Zusammenspiel mit demografischen Faktoren und den durch verbesserte Bildung und intensive Mediennutzung wachsenden Sehnsüchte deutet daraufhin, dass die Bereitschaft, offiziell verschlossene Grenzen zu überqueren, in naher Zukunft unvermindert hoch bleiben wird. Auf lange Sicht könnte die Auswanderung jedoch nachlassen, und Marokko sich in verstärktem Maße zu einem Ziel für Migranten aus Subsahara-Afrika entwickeln; dieser Übergangsprozess könnte bereits eingesetzt haben.